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Die Liebe der Väter: Roman
Verlag: Kiepenheuer & Witsch Hersteller: Kiepenheuer & Witsch Autor: Thomas Hettche Medium: Gebundene Ausgabe Erscheinungsdatum: 19. August 2010
Preis: EUR 16,95
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Neu ab EUR 16,95 , Gebraucht ab EUR 12,99
Rezensionen:
Von den Ängsten und Nöten eines Teilzeitvaters
Aus einer kurzen turbulenten Liebesbeziehung in jungen Jahren entsteht ein Kind: Annika. Benannt nach der Freundin von Pipi Langstrumpf. Eigentlich war sich das Paar einig, das Kind abzutreiben. Doch die werdende Mutter entschied sich im Alleingang anders. Damit nimmt eine leidvolle Geschichte ihren Anfang. Die Liebe zerbricht. Annika wächst bei ihrer Mutter auf. Während der allein erziehenden Mutter Mitleid und Sympathien zufliegen, hat Peter immer das Gefühl versagt zu haben.
"Nie hatte Annika bei mir ein Zuhause, immer waren wir einander beide nur Besuch."
Das Verhältnis zwischen Vater und Mutter ist schlecht, ein Informationsaustausch findet nur sporadisch statt. Die Mutter bestimmt allein, ob und wann und unter welchen Bedingungen er sein Fleisch und Blut sehen darf. Annika wird, wie so oft, benutzt, um Peter zu gängeln, zu erpressen und zu strafen. Gezielt treibt Ines einen Keil zwischen Vater und Tochter. Wird die Mutter in Thomas Hettches Roman auch als Rabenmutter und Egozentrikerin verunglimpft, so dient dies doch nur der herausstellenden Klarheit einer schreienden Ungerechtigkeit. Peter darf zwar monatlich für seine Tochter zahlen, an existentiellen Entscheidungen wie Aufenthaltsort, Schulwahl bzw. Schulwechsel, im Krankheitsfall etc. bleibt er jedoch außen vor. Sehr einfühlsam und eindringlich schildert Thomas Hettche das totale Ohnmachtsgefühl, die Wut, Verzweiflung und Hilflosigkeit seines Protagonisten.
Zwischen den Jahren verbringen die beiden einen ersten gemeinsamen Urlaub miteinander im Ferienhaus von Freunden auf der Nordseeinsel Sylt. Ein zentnerschwerer Druck lastet während dieser Tage auf den beiden, die sich so vertraut und doch so fremd sind. Peter hat in Kampen die Sommer seiner Kindheit verbracht und taucht oft in liebevolle Erinnerungen ein. Die besondere Stimmung dieser winterlichen Rauhnächte, in denen Tiere sprechen können und die Tore der Geisterwelt offen stehen, sind atmosphärisch schön beschrieben.
Peter liebt seine Tochter über alles, doch gleichzeitig hat er Angst vor ihr und verspürt die Anwesenheit ihrer übermächtigen verhassten Mutter als einen Teil von ihr. Während Peter sich auf das Wiedersehen mit seiner Jugendfreundin Susanne freut, spitzen sich die Konflikte zwischen Vater und Tochter zu. In der gemeinsam mit Freunden verbrachten Silvesternacht in der Sansibar" eskaliert der Streit.
"Dabei weiß ich gar nicht, wie das geschieht, aber meine flache Hand trifft ihr Gesicht. Wie in Zeitlupe fasst Annika sich ins Gesicht, hat plötzlich Blut an den Händen, blutet aus der Nase, sieht mich an ... und läuft hinaus. Ein Vater schlägt seine Tochter in aller Öffentlichkeit."
Gemeint hatte Peter mit seiner Wut und diesem unbändigen Hass natürlich Ines. Entladen hat sich das Ganze dann in einer Art Übersprungshandlung an Annika, seiner geliebten Tochter. Haben sich Vater und Tochter für immer entzweit ...?
Mir hat dieser Roman ausgesprochen gut gefallen. Mit schmerzlicher Präzision beschreibt "Die Liebe der Väter" die Verletztheiten, Wunden und Sehnsüchte von Vätern, die keine sein dürfen. Das ist spannend geschrieben, einfühlsam und eindringlich, doch keineswegs sentimental oder gar kitschig. Die Sprache ist eher betont nüchtern, was den Eindruck der Emotionalität des Geschehenen noch unterstreicht. Besonders gut fand ich, daß Thomas Hettche (Woraus wir gemacht sind, Der Fall Arbogast) endlich mal den vielen namenlosen Teilzeitvätern eine Stimme verliehen hat, die doch eher ein Schattendasein führen. Daran hat auch das neue Sorgerecht, daß vor einem Monat in Kraft getreten ist, nichts geändert. Ob ein Vater seine Kinder sieht oder nicht, unterliegt der vorhandenen Reife, Souverenität und nicht zuletzt selbstlosen Mutterliebe der entsprechenden Mütter. Weder der Autor, noch ich sprechen hier von Müttern, die diese zweifellos große Herausforderung eines entspannten Umgangs mit dem Vater ihrer Kinder erfolgreich meistern und im Interesse ihrer Kinder handeln. Mein Wunsch wäre, daß dieser Roman ein wenig Verständnis weckt für die Situation der Väter, die ihre Kinder lieben und sich kümmern wollen. Ist doch eigentlich was Schönes. Denn Abwesenheitsväter hatten wir doch lange genug.
Die Thematik ist hochaktuell und brisant, vom Autor mit viel Fingerspitzengefühl aufgegriffen und literarisch meisterhaft umgesetzt worden. Ich kann dieses Buch nur allen wärmstens empfehlen, die sich mit dem Thema Patchworkfamilie auseinandersetzen wollen oder müssen.
Einfühlsam, aber auch ärgerlich einseitig
Obwohl das Buch als Roman verkauft wird, handelt es sich in Wahrheit um eine typische Novelle, in deren Mittelpunkt ein krisenhafter Moment, ein "unerhörtes Ereignis" steht: Ein Schlag des Vaters ins Gesicht seiner unehelichen Tochter. Vater und Tochter verbringen die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr zusammen auf Sylt, in einem Haus mit einigen Freunden. Diese Tage sind traditionell bedeutsam als eine Zeit der Krisen und Wendepunkte (was der kulturgeschichtlich bewanderte Autor natürlich weiß; so lässt er die Tochter einige überraschend kenntisreiche Erläuterungen über die Tradition der Rauhnächte abgeben). Die spannende Frage, die im Verlauf des Buches beantwortet wird, ist: Wird es dem Vater gelingen, die Beziehung zu seiner heranwachsenden Tochter zu retten oder zu verbessern, oder wird sie zerbrechen?
An dem Buch gefällt mir überaus gut, wie einfühlsam die Unsicherheit des Vaters im Umgang mit der Tochter erzählt wird. Diese Unsicherheit liegt natürlich daran, dass die Tochter (Annika) bei der Mutter lebt und den Vater immer nur sporadisch gesehen hat und dass der Vater deshalb auch von Schuldgefühlen geplagt und mit einem immerwährenden, (meist) stummen Vorwurf der Tochter konfrontiert ist; sie wird noch verstärkt, weil die Tochter nun ein heranwachsender Teenager ist und anfängt, Interesse am anderen Geschlecht zu zeigen. Erzählerisch sehr gelungen ist auch die Verknüpfung verschiedener Zeitebenen. Wir erfahren die Geschichte der kurzlebigen Beziehung, aus der die Tochter hervorgegangen ist; wir blicken aber auch zurück in die Kindheit des Vaters, als er seine Sommerferien mit der Mutter auf Sylt verbracht und auf der Insel eine Art seelische Heimat gefunden hat. (Die Frage, wo während dieser Zeit der Vater des Erzählers war und welche Rolle er in seinem Leben gespielt hat, wird nur andeutungsweise gestreift, wodurch die Hauptfigur eine weitere mögliche psychologische Dimension bekommt.)
Ärgerlich hingegen ist das Buch als politisches Pamphlet. Der Vater sieht als Ursache seiner Probleme vor allem die (inzwischen vom Bundesverfassungsgericht als verfassungswidrig befundene) Rechtslage, derzufolge bei unehelichen Kindern das Sorgerecht automatisch der Mutter zukommt. Wahrscheinlich kann jeder nachvollziehen, dass ein solcher Automatismus ungerecht ist, doch Hettche glaubt, die Problematik dieser Rechtslage dadurch aufzeigen zu müssen, dass er die Mutter zu einem wahren Monstrum an Egozentrik und Verantwortungslosigkeit macht. Das ist aus mehreren Gründen ärgerlich. Zum einen ist es nicht plausibel, dass eine so furchtbare Mutter eine offenbar gut und gesund entwickelte Tochter hätte aufziehen können. Das würde dann nahelegen, den Vater als unglaubwürdigen Erzähler zu betrachten, wofür es auch einige weitere Anhaltspunkte gibt. Nun hat sich Hettche aber entschieden, in des Vaters Freundeskreis einen weiteren Mann mit unehelicher Tochter auftauchen zu lassen, und siehe da: Dieser Mann versteht unseren Ich-Erzähler immer am besten, weil die Mutter seines Kindes genauso irrational, egoistisch und destruktiv ist. Das rückt das Buch in die Nähe eines frauenfeindlichen Pamphlets. Das ist schade und stört bei einem anderweitig sehr sensiblen, auch sprachlich gut gelungenen Buch.
Suche nach einer verlorenen Vaterschaft.....
"Warum hast Du dich damals von Mama getrennt? Unter meinen Schuhen knirscht der Sand. Die Kinderfrage, der ich nie mehr entkommen werde. Ich gehe zu ihr und suche ihren Blick. Du weisst es doch. Wir haben uns nicht mehr verstanden. Und dann geht man einfach weg, ja? Einfach so? Weil man sich nicht mehr versteht?"
Solche einen treffenden Ton, findet die 13jährige Annika, die den Kontakt zu ihrem Vater verloren hat, zu einem Vater, der sich als Versager im Vatersein erlebt, der sich von seiner Ex-Frau immer noch im Leben bestimmt fühlt, und unter der Kluft zu seiner Tochter zu leiden scheint.
Der Ich-Erzähler hadert mit der Vergangenheit. "Jede eigene Erinnerung ein Beweis, dass es mich als Vater nicht gab." Eine Hommage an unsere vaterlose Gesellschaft. Eine Suche, nach einer verlorenen Tochter-Beziehung, aber auch nach sich selbst, nach Klärung, nach Wiedergutmachung, nach Versöhnung mit dem, was uns oft so schmerzlich von unseren liebsten trennt, in diesem Fall ist es die eigene Tochter. "Immer tust Du denen weh, die du liebst."
Er reist mit seiner Tochter auf die Insel Sylt / Hörnum, will dort mit Freunden und deren Kinder den Jahreswechsel an Sylvester verbringen. Der Versuch einer Annäherung, zwischen zwei mittlerweile fremdgewordenen Menschen...Annika begegnet ihrem Vater mit einer gewissen Enttäuschung, und Unverständnis. Für den Vater eine schwierige Situation, ringt mit sich, seinem Leben, seiner Tochter, seiner Exfrau...Eine Begegnung, wo sich beide wehtun, aber auch nicht aufgeben, um den Weg zueinander zu finden...eine schmerzliche Erfahrung für beide Seiten..Eine Selbst und Fremdreflektion eines Mannes, der mehr Klarheit über seine Situation, zur Beziehung seiner Tochter, aber auch in der gesellschaftlichen Einbindung mit anderen finden möchte...
Beruflich ist er für Bücher unterwegs, stellt die neuesten Erscheinungen in Buchhandlungen vor. Seine Mutter hatte schon eine Buchhandlung auf Sylt, in kleinen Anekdoten treffen wir auf Cornelia Funke und Peter Suhrkamp, in sensibler Machart, hat Thomas Hettche eine liebevolle Widmung für das Buch und an das Lesen miteingearbeitet. "Lesen, lesen, ohne einen Satz zu begreifen, bis es endlich hell wird und der Tag hereinzukriechen beginnt in diesen Keller der Nacht, den wir niemals verlassen."
Eine bemerkenswerte, feinfühlige, genau beobachtende, hochsensible Perspektive hat uns da Thomas Hettche abgeliefert, in einer Zeit, wo viele Kinder viel zu wenig ihren Vater haben und gerade deshalb dieses Thema aktueller nicht sein könnte. Ein Buch rund um Trennung, Scheidung, und deren Konsequenzen, aber auch darüber, wie Kinder das erleben, und Väter oft unter diesen Umständen leiden, nicht selten oft aus Konflikten, die auf dem Rücken der Unschuldigen ausgetragen werden, unseren Kindern.
Ein Stück Realitätsverarbeitung unserer heutigen Zeit, wie wir sie jederzeit in unserer Gesellschaft vorfinden können. Thomas Hettche gibt hier den Vätern eine Stimme, die oft in Bezug auf das Sorgerecht eine Ohnmacht erleben, bei Entscheidungsprozessen das Kind betreffend, oft von Müttern ausgeschlossen werden. Auch wenn die Mutter hier nicht gross auf die Bildfläche tritt, so kommt sie doch in die Kritik, ein Buch das sicherlich mehr aus der Sicht des Mannes geschrieben wurde, was es so aber auch noch nicht gross am Buch-Markt gibt.
Thomas Hettche stand bereits 2006 schon auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis, wollen wir hoffen, dass ihm diesen neuen bemerkenswerten Roman wieder dazu verhelfen wird...immerhin hat er es schon zu einigen Preisen gebracht, mal sehen wie weit ihn diese Arbeit nach vorne bringt...
Nominierung: Dieser Buchtitel ist zum Deutschen Buchpreis 2010 nominiert / Longlist
von einem wechselbad der gefühle
Alleinerziehende Mütter haben es schwer. Ohne Ironie sage ich dies, oft stehen sie dafür im Mittelpunkt der Medien, aber was ist mit der "Liebe der Väter" die durch Scheidung von ihren Kindern getrennt leben?
Der Autor rückt in seinem Buch dieses Thema in den Mittelpunkt. Die Vielschichtigkeit der Thematik - Liebe - Entfremdung - Unsicherheit - werden vom Autor sehr gut beherrscht und dem Leser offenbart.
Peter verlebt den Jahreswechsel mit seiner Tochter Annika auf einer Nordseeinsel. Annika ist mittem im Teenageralter beginnt sich selbst gerade mit dem Thema Liebe zum anderen Geschlecht zu beschäftigen. Peter lernt neue Seiten an seiner Tochter kennen und kennt nicht nicht einmal die kleine Annika richtig.
Unsicherheit und Entfremdung machen diesen Urlaub für beide zu einem Wechselbad der Gefühle. Vom liebevollen in die Arme schließen bis hin zur heftigen Ohrfeige in aller Öffentlichkeit hat dieser Roman viel zu bieten.
Thomas Hettche spricht Gefühle an. Sein Verdienst mit diesem Roman ist es, dass er einem Thema einen Raum gibt, das viel zu oft nicht im Mittelpunkt steht und doch so wichtig ist.
Schuld und Unschuld; eine Vater-Tochtergeschichte mit dramatischen Zügen.
Mit vielen Vorschusslorbeeren bedacht ist jetzt das neue Buch über die Liebe der Väter von Thomas Hettche erschienen.
Wer nimmt sich heute schon öffentlich einsamer Väter an, die alle Rechte auf ihre Kinder nur mühsam und mit den Mitteln des Kampfes erreichen können?
Die Liebe der Väter ist das, was zählt, aber niemand scheint ihnen glauben, wenn sie sich nach ihren Kindern sehnen und den Kontakt zu ihnen pflegen wollen.
Thomas Hettche hat in einem sehr persönlichen Buch die Liebe eines Vaters zu seiner Tochter abgehandelt, die sich durch lange Trennungen schwierig und mühsam gestaltet.
Auf Sylt verbringt Peter die Tage zwischen den Jahren zusammen mit Freunden und deren Kindern. Dass Annika, seine Tochter, verschlossen, renitent und aufmüpfig ist, macht das Zusammensein nicht gerade leicht für ihn und seine Gastgeber. Annika ist etwa13 Jahre alt und lange Zeiten des Schreckens und des Kampfes liegen hinter ihr und ihrem Vater. Die Mutter wusste viele Male die Kontakte zu unterlaufen, wie das so viele Scheidungs- und Trennungskinder erleben.
Peter wird beschrieben als ein Tastender und Suchender bei seiner Annäherung an die störrische Tochter.
Zweifel an der wahren Vaterschaft behindern zudem das Glück für Peter, nun endlich einmal ein paar Tage am Stück mit der Tochter zu verbringen.
Gespräche zwischen den Erwachsenen berühren Themen, wie sie sich zwischen Paaren leicht ergeben, die mit ihrer jeweiligen Lebenssituation innerlich beschäftigt sind. Reflektierend und sensibel beschreibt Thomas Hettche die inneren Nöte und Kämpfe eines Mannes, der so gerne ein guter Vater wäre!
Hinter seiner Geschichte verbirgt sich ein Drama, das zeigt, wie schwer es Väter haben, wenn sie einmal aus dem Familienverbund, hier dem zwischen Mutter und Tochter, ausgeschieden sind. Nicht immer ist der Zusammenhalt von Töchtern und Müttern nur von Vorteil für die Kinder.
Fein, sensibel und höchst empfindsam geht der Autor Thomas Hettche das brisante Thema an. Die Insel Sylt mit ihrem besonderen Reiz für Bewohner und Liebhaber der Insel erfährt ebenso eine Hommage wie die Beziehungen zwischen Vätern und Töchtern! Ganz versteckt gibt es auch noch eine Liebeserklärung an den Buchhandel und das Lesen im besonderen, denn Peters Mutter pflegte in den Sommermonaten in einer kleinen Buchhandlung in Kampen auszuhelfen; der Protagonist ist selber auch im Buchhandel tätig.
Stimmungen und verfängliche Gefühle berühren tief die Seelen der Betroffenen. Unter Schmerzen finden Vater und Tochter zusammen, und unter Schmerzen müssen sie von einander lassen.
Ein ungewöhnlicher und sehr zu empfehlender Roman ist dem Autor gelungen. Er ist packend, realitätsnah und tiefenscharf in seinem Sujet. Höchste Anerkennung für Thomas Hettche!
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