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Details zum Produkt

Das Museum der Unschuld

Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt
Hersteller: Fischer (Tb.), Frankfurt
Autor: Orhan Pamuk
Medium: Broschiert
Erscheinungsdatum: 04. August 2010

Preis: EUR 10,95
Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

 

 Alle Angebote:  Neu ab EUR 10,95 , Gebraucht ab EUR 10,08

Informationen zum Produkt:


Rezensionen:

Verstaubt

Der Autor ist zweifellos ein guter Handwerker, die Dialoge sind echt, die Personen vollblütig, ihre Handlungen grösstenteils nachvollziehbar, nur die Handlung selbst ist lahm bis langweilig. Der Romanstoff mag ja in den Siebziger ganz aktuell und interessant gewesen sein, aber heute bestimmt nicht mehr, selbst in der Türkei vermutlich nicht.

Der glücklichste Augenblick meines Lebens ...

"Es war der glücklichste Augenblick meines Lebens, und ich wußte es nicht einmal." Mit diesen Worten beginnt eine der schönsten und denkwürdigsten Liebesgeschichten, die ich je gelesen habe. Orhan Pamuk entführt uns in blumiger Sprache in die bunte Farbenpracht eines Istanbul zwischen althergebrachter muslimischer Tradition und europäischer Moderne. Die kurzen, meist nur 3-seitigen Kapitel mit prägnantem Titel treiben die spannende Dreiecksgeschichte um Kemal, Sibel und Füsun voran und lassen den Leser an der emotionalen Achterbahnfahrt der Protagonisten teilhaben. "Wie soll ich beschreiben, welche Ruhe mich erfüllte, sobald ich sie in meinen Armen hielt? ... Wie bei einem Baby, das sich... Mehr dazu

Für ungeduldige Leser empfehle ich das Hörbuch

Für den Erfolg der Audiobücher gibt es verschiedene Gründe. Sie machen die zunehmende Verweildauer in Autos und auf Strassen erträglicher, sind aber auch eine Möglichkeit für ungeduldige Leser, sich mit Werken wie diesem zu befassen. Denn 600seitige Bücher, in denen es nicht um Mord- und Totschlag, Geheimbünde, Verschwörungen, menschliche Kopulationen oder Vampire geht, entsprechen dem Durchhaltevermögen eines gehetzten Publikums nur noch bedingt. Daher finde ich es großartig, dass man sich auch "Auf der Suche nach einer verlorenen Zeit" von Marcel Proust oder eben die Romane von Orhan Pamuk vorlesen kann. Vor allem wenn Sprecher wie Ulrich Noethen sich dieser Aufgabe annehmen.

Wie gekonnt der bekannte Schauspieler die wunderbaren Sätze von Orhan Pamuk intonieren und sich in seine Figuren einfühlen kann, bewies Ulrich Noethen bereits beim Roman "Istanbul". Nun gibt er Kemal eine Stimme, einem modernen Türken, der in Paris studierte und durch ein zufälliges Treffen dazu veranlasst wird, auf die 1970er und 1980er Jahre Istanbuls zurückzublicken. Wie Orhan Pamuk Vergangenes wieder neu auferstehen lässt und beschreibt, rechtfertigt einmal mehr, dass ihm der Nobelpreis für Literatur verliehen wurde. Aber eben, solche Museumsbesuche brauchen Zeit und die Fähigkeit, längere Zeit vor einem (Sprach)bild verweilen zu können.

Die Sprachkunst von Orhan Pamuk hätte allerdings nicht gereicht, um Leser in aller Welt zu begeistern. Er schafft es selbstverständlich auch, Spannungsbögen aufzuziehen und Identifikationsfiguren zu entwerfen. Und letztlich ist jede seiner Beschreibungen eine kleine Liebesgeschichte, egal ob eine Stadt, ein Gegenstand oder ein Mensch im Mittelpunkt steht. Orhan Pamuk gehört aber auch deshalb zu meinen Lieblingsschriftstellern, weil er wunderbar altmodisch ist, indem er nicht erklärt, sondern erzählt. Er belehrt uns nicht seitenlang, warum sich Menschen so und nicht anders verhalten, sondern macht Persönlichkeitsmuster durch Beobachtungen deutlich.

Mein Fazit: Ein großartiger Roman von Orhan Pamuk, der uns gerade in seiner Detailbessenheit zeigt, dass wir noch immer Sammler sind, aber allzu oft den falschen Träumen nachjagen und dabei die Schönheit des Gegenwärtigen vergessen. Und so wie Ulrich Noethen diese Geschichte einer unglücklichen Liebe und der Suche nach der eigenen Identität liest, ist sogar der von Kleinstminiaturen besetzte Mittelteil spannend.



Orhan Parmuks Entführung in eine wirkliche Wirklichkeit

Eine Liebe und ihre Bewahrung jenseits ihrer gelebten Gemeinsamkeit ist Thema dieses außergewöhnlichen Romans des türkischen Nobelpreisträgers.
Der Protagonist Kemal zeigt uns in der detaillierten Beschreibung seines Lebens ein eindrucksvolles Bild seiner Heimatstadt Istanbul im letzten Drittes des 20. Jahrhunderts, lässt uns teilhaben am Gesellschaftsleben der Vermögenden, an ihren Werten und Zielen und gibt damit auch Einblick in Tradition und Evolution der Türkei jener Jahre.
Kemal findet keine Erfüllung in dem Leben, was ihm als Mitglied der zumindest finanziell gehobenen Gesellschaft vorgegeben ist. In diese ihm zunächst nicht bewusste defizitäre Gefühlslage fällt der Beginn seiner Liebe zu Füsun, einer entfernten Verwandten aus der weniger begüterten Linie.
Durch Einsicht in die Welt des Kinos und die damalige türkische Produktion sentimentaler Liebesfilme werden Sehnsüchte und emotionelle Mängel der saturierten Bevölkerungsschicht transparent, deren Realität geprägt von Äußerlichkeiten und gestrigen Maximen eine authentische Emotionalität nicht zulässt, was sich jedoch in der Resonanz beim Leser als durchaus nicht allein türkisches Phänomen erweist.


Es hat eine Zeit gebraucht, bis ich meine zeitgenössisch-pragmatische Sicht von Liebesbeziehungen überschreiten konnte und mich vom Autor in Menschheitsanliegen entführen ließ, um dort auch selbst nicht mehr unangenehm berührt zu werden. Im wahren Sinne der Worte werden peinlich genau die Erfüllung und das Leid der zentralen Figur des Kemal dargestellt, so dass der Leser manches Mal als unwilliger Voyeur in die Intimsphäre des Liebenden gezwungen wird, und diese Form der Leidenschaft als krankhaft oder zumindest lebensfremd empfunden wird, vielleicht auch zunächst Langeweile aufkommen mag.
Ich denke jedoch, dass hier eine gewisse Abwehr im Leser berührt wird, da diese Form von obsessiver Hingebung zwar aus großen weltgeschichtlichen Liebestragödien hinreichend bekannt ist, aber dieser Liebe keinerlei Realitätsanbindung zuzukommen scheint.
Folgen wir jedoch dem Autor in das bedeutendste Menschheitsthema, so müssen wir feststellen, dass wir wahrscheinlich alle zu derartiger Leidenschaft fähig wären, uns wohl auch nach ihrer Erfüllung sehnen, aber unsere Realität lässt keinen Raum, der durch seine kulturellen Gestaltungen und Begrenzungen für dieses Erleben frei gesetzt werden kann: Dass diese Liebe sich nicht erfüllen kann liegt in ihrer Ontologie diese Liebe hat keine Chance in der unwirklichen Wirklichkeit.

Orhan Parmuk überzeugt uns weiterhin durch Geschehnisse, Dialoge und Gedanken der Personen dieses Romans von der Wahrheit und Bedeutung menschlicher Alltagswelt, die offensichtlich immer wieder hinter dem Glamour sentimentaler Darstellungen unserer Wünsche und Sehnsüchte als unbedeutend in Vergessenheit gerät. So füllt der Protagonist ein Museum mit Alltäglichkeiten scheinbaren Sinnlosigkeiten, die für ihn in prägnantem Bezug zu seiner Geliebten stehen und weist damit auch auf den Mangel an Wahrnehmung in Bezug auf unsere gelebte Gewohnheit hin, die wir hinter fiktivem Lebensanspruch vergessen.

Besonders berührend lässt uns der Autor nachvollziehen, wie die geliebte junge Frau Füsun in ihren Wünschen, Sehnsüchten und ihrer authentischen Liebe scheitert, vergeblich versucht sie ihre Träume vom Leben zu realisieren. Als sie letztendlich das Rad der Zeit zurückdrehen möchte, ihre Unschuld und Freiheit nach vielen Jahren zurück zu gewinnen strebt, verliert sie an dieser Unmöglichkeit ihren Lebensmut.

Orhan Parmuk hat mit diesem Werk zeitlose Weltliteratur geschaffen, die uns alle angeht.


Orhan Pamuks Melodram: "Das Museum der Unschuld"

Ich kann mich den beinahe durchweg sehr positiven Kritiken meiner Vorgänger leider nicht anschließen. Nach einem genialen Romanbeginn,
flacht das Buch nach ca. 200 Seiten derart stark ab, dass ich mich dazu zwingen musste, es weitzulesen, denn ich hatte das Gefühl, jedem der 1593 Abende die Kemal, der Ich-Erzähler, acht Jahre lang in der Nähe Füsuns verbringt, beiwohnen zu müssen, was mich als Leser ganz schön ermüdete.
Außerdem ist mir die selbstverliebte Lethargie Kemals auf den Wecker
gegangen!
Das Ende des Romans (Füsuns Tod) ist zudem ab einem bestimmten Zeitpunkt
vorhersehbar; die näheren Umstände ihres Todes erinnern an ein kitschiges
Filmmelodram.


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