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Simon Rattle und das BRSO mit Schumann und Strawinsky: Ein meisterhafter Konzertabend heute (17.01.2026) auf 3sat

Samstag, 17.01.2026 13:29 Uhr | Tags: 3sat, Konzert

Die Zuschauer von 3sat dürfen sich heute um 20:16 Uhr auf ein musikalisches Ereignis der Extraklasse freuen, wenn Sir Simon Rattle und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks die Bühne der Münchner Isarphilharmonie betreten. In dieser hochkarätigen Aufzeichnung begegnen sich zwei Genies der Musikgeschichte, deren Werke gegensätzlicher kaum sein könnten und doch eine magische Einheit bilden. Auf dem Programm stehen Robert Schumanns packende zweite Symphonie und Igor Strawinskys schillernde Ballettmusik zum "Feuervogel". Es ist eine Reise durch die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele bis hin zu den glitzernden Höhen eines russischen Märchens, dargeboten von einem Klangkörper, der unter Rattles Leitung zu absoluter Höchstform aufläuft. Die Isarphilharmonie bietet mit ihrer exzellenten Akustik den perfekten Rahmen, um jede noch so feine Nuance dieser vielschichtigen Partituren bis in das heimische Wohnzimmer zu transportieren. Die Aufzeichnung "Simon Rattle und das BRSO mit Schumann und Strawinsky" aus der Münchner Isarphilharmonie ist auch über die Mediathek abrufbar.

Schumanns Kampf gegen die inneren Dämonen

Den Auftakt macht ein Werk, das wie kaum ein anderes die Zerrissenheit der deutschen Romantik verkörpert. Robert Schumann schrieb seine zweite Symphonie in einer Phase schwerster persönlicher Krisen, als er versuchte, den lähmenden Schatten seiner Depressionen durch einen Umzug von Leipzig nach Dresden zu entkommen. Man spürt in jeder Note dieses Werkes das Ringen des Komponisten um Klarheit und Ordnung inmitten des mentalen Chaos. Die Komposition bewegt sich in einem faszinierenden Spannungsfeld zwischen der strengen, fast architektonischen Logik der klassischen Tradition und einer zutiefst subjektiven, emotionalen Erzählweise. Es ist Musik, die nicht nur unterhalten will, sondern die Existenz des Künstlers selbst spiegelt. Rattle versteht es meisterhaft, diese inneren Widersprüche herauszuarbeiten, ohne den großen Bogen der symphonischen Form zu verlieren. Erst im triumphalen Finalsatz bricht das Licht endgültig durch die Wolken, wenn festliche Fanfarentöne das Ende der seelischen Qualen verkünden und einen Sieg des Lebenswillens über die Melancholie zelebrieren.

Ein funkelndes Märchen aus tausendundeiner Nacht

Nach der emotionalen Schwere Schumanns entführt das Orchester sein Publikum in die schillernde Zauberwelt des russischen Volksglaubens. Igor Strawinskys "Feuervogel" wird an diesem Abend erfreulicherweise nicht in der oft gespielten, gekürzten Orchestersuite präsentiert, sondern in der vollständigen, monumentalen Ballettfassung. Dieses Werk war es, das dem jungen Strawinsky einst zu weltweiter Berühmtheit verhalf und die Musikwelt im Sturm eroberte. Die Partitur schwelgt in hinreißenden Klangfarben und einer fast schon physisch spürbaren Rhythmik, die die Geschichte um den Prinzen Iwan Zarewitsch und seine Begegnung mit dem geheimnisvollen, mächtigen Feuervogel zum Leben erweckt. Man sieht förmlich den Garten des finsteren Zauberers Kastchej vor sich, hört das Flattern der magischen Schwingen und spürt die Sehnsucht der verzauberten Prinzessin Zarewna. Es ist eine Demonstration orchestraler Brillanz, bei der jedes Instrument sein volles Potenzial ausschöpfen kann, um dieses orchestrale Feuerwerk abzufackeln.

Die perfekte Symbiose aus Tradition und Moderne

Warum dieser Abend so besonders ist, liegt nicht zuletzt an der Chemie zwischen dem Orchester und seinem Chefdirigenten. Sir Simon Rattle, bekannt für seine analytische Präzision und gleichzeitige emotionale Hingabe, führt das BRSO mit sicherer Hand durch die komplexen rhythmischen Schichten Strawinskys und die feinfühligen Phrasierungen Schumanns. Es gelingt ihm, die historische Tiefe Schumanns mit der avantgardistischen Strahlkraft Strawinskys zu verweben, ohne dass einer der beiden Stile zu kurz kommt. Das Publikum erlebt eine Sternstunde der klassischen Musik, die zeigt, dass große Kunst zeitlos ist und auch über den Bildschirm hinweg eine unglaubliche Energie entfalten kann. Wer sich auf diese klangliche Achterbahnfahrt einlässt, wird mit einem Fernsehabend belohnt, der noch lange nachklingt. Es ist ein Plädoyer für die Macht der Musik, die sowohl tiefste Leiden heilen als auch fantastische Welten erschaffen kann, wenn sie von Künstlern dieses Kalibers interpretiert wird.


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