Aluhüte und Bowlingkugeln: Münster-Tatort "Propheteus" zwischen Wahn und Wahrheit heute (26.01.2026) im MDR

© MDR/WDR/Bavaria Fiction GmbH/Thomas Kost
Der Münster-Tatort liefert heute Abend (26.01.2026) wieder einmal den ultimativen Beweis dafür, dass die Grenze zwischen genialem Kriminalfall und purem Absurditätenkabinett hauchdünn sein kann. Wer um 20:15 Uhr den MDR einschaltet, bekommt mit der Wiederholung von "Propheteus" keinen gewöhnlichen Krimi serviert, sondern eine Achterbahnfahrt in die Welt der Verschwörungstheorien. Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) und der wie immer exzentrische Rechtsmediziner Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) finden sich in einer Situation wieder, die selbst für ihre Verhältnisse mehr als nur skurril ist. Alles beginnt damit, dass Boerne in einer völlig verwüsteten Bowlinghalle zu sich kommt und direkt in die Mündung einer Pistole blickt. Der Münster-Tatort "Propheteus" ist auch über die ARD Mediathek abrufbar.
Geiselnahme auf dem Dachboden des Wahnsinns
Udo Kayser (Matthias Komm), ein Mann, der felsenfest an eine außerirdische Invasion glaubt, hält das Ermittler-Duo in Atem. Er zwingt Thiel und Boerne unter Todesangst auf das Dach des Polizeipräsidiums, wo die Situation völlig zu eskalieren droht. Das Schicksal nimmt eine bizarre Wendung, als ein kleiner, Bananen fressender Terrier, der Thiel seit Tagen auf Schritt und Tritt folgt, zum unerwarteten Helden wird. Der Hund attackiert den Geiselnehmer, was dazu führt, dass Kayser in die Tiefe stürzt. Doch wer glaubt, dass der Fall damit gelöst sei, irrt sich gewaltig, denn dieses Ereignis ist lediglich die Spitze eines gigantischen Eisbergs aus Paranoia und Geheimdienst-Intrigen.
Ein kaufsüchtiges Opfer und amouröse Altlasten
Verstrickt ist das Ganze mit dem Mord an Magnus Rosponi, einem Mann, dessen Wohnung einem Warenlager gleicht und der erschlagen aufgefunden wurde. Für Dr. Silke Haller (ChrisTine Urspruch) wird die Obduktion zur emotionalen Belastungsprobe, da sie in dem Toten ihren alten Jugendschwarm erkennt. Währenddessen stößt Boerne bei der Untersuchung der Leiche auf ein winziges, technisches Implantat, das so gar nicht in einen normalen Mordfall passen will. Plötzlich tauchen zwielichtige Gestalten des Verfassungsschutzes auf, die unter Namen wie Muster und Mann agieren und Thiel und Boerne unmissverständlich klarmachen, dass sie in einem Wespennest aus Staatsgeheimnissen herumstochern.
Wenn der Verfassungsschutz im Revier parkt
Absurde Wendungen bestimmen fortan das Bild, wenn Thiel versucht, Licht in die amourösen Verwicklungen des Opfers zu bringen, während Boerne sich fast schon euphorisch in die Analyse des mysteriösen Objekts stürzt. Mit von der Partie sind natürlich auch wieder Staatsanwältin Wilhelmine Klemm (Mechthild Großmann), Kommissar Mirko Schrader (Björn Meyer) und Thiels Vater (Claus D. Clausnitzer), die in diesem Chaos versuchen, die Fassung zu bewahren. Das Publikum wird dabei Zeuge, wie aus einer scheinbaren Räuberpistole ein hochkomplexes Puzzle wird, bei dem man sich bis zum Schluss fragt, ob die Aliens nicht vielleicht doch existieren oder ob der wahre Wahnsinn in den Amtsstuben der Geheimdienste sitzt.
Lohnt sich das erneute Einschalten des Münster-Tatorts?
Trotz der Tatsache, dass das Duo aus Münster gefühlt in Dauerschleife durch die Programme wandert, bleibt "Propheteus" eine der Folgen, die gerade von ihrer Überdrehtheit leben. Es ist die detailverliebte Inszenierung und der einzigartige Wortwitz zwischen Prahl und Liefers, die auch bei der zweiten oder dritten Sichtung noch für echte Lacher sorgen. Wer Lust auf eine Mischung aus Krimi-Komödie, Agententhriller und einer ordentlichen Portion Gesellschaftskritik am Aluhut-Wesen hat, wird hier bestens bedient. Es ist eine der mutigsten Folgen der Reihe, die zeigt, dass der Münster-Tatort auch nach all den Jahren immer noch bereit ist, die Komfortzone des klassischen Ermittlungsfernsehens weit zu verlassen.








