Dschungelfieber und Bienengift im Münster-Krimi "Der Mann, der in den Dschungel fiel" heute (26.05.2026) im WDR

© WDR/Frank Dicks
Ein vermeintlicher Drogenterrorist bringt das beschauliche Münster an den Rand des Wahnsinns und strapaziert das Nervenkostüm der hiesigen Ermittler bis aufs Äußerste. Der WDR wiederholt heute (26.05.2026) um 20:15 Uhr den Münster-Krimi "Der Mann, der in den Dschungel fiel", der die Zuschauer mit einem genialen Kniff konfrontiert. Direkt zu Beginn schockiert der Film mit einer dramatischen Szene, in der Kriminalhauptkommissar Frank Thiel (Axel Prahl) scheinbar eiskalt erschossen wird. Dieser geschickt platzierte Cliffhanger zieht sich als roter Faden durch einen Fall, der das gewohnte Ermittlerduo in eine bizarre Welt aus literarischer Eitelkeit, südamerikanischen Dschungel-Mythen und handfesten Lügenkonstrukten hineinzieht.
Tödliches Gift in der Garderobe und ein alter Klassenkamerad
Die ganze Aufregung verdankt die Stadt einer neuen Kultur-Initiative des exzentrischen Rechtsmediziners. Prof. Dr. Dr. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) hat höchstselbst den mit einem stattlichen Budget ausgestatteten Preis des Münster-Stadtschreibers ins Leben gerufen. Der Zuschlag geht an den gefeierten Bestseller-Autor Stan Gold (Detlev Buck), der eigentlich Horst "Hotte" Koslowski heißt und ausgerechnet ein alter Schulfreund von Thiel ist. Gold saß angeblich 15 Jahre lang in Paraguay fest und verarbeitete diese Zeit in seinem Dschungel-Roman. Kurz nach der feierlichen Verleihung bricht der Autor in seiner Garderobe mit schwerer Atemnot zusammen. Während Boerne fälschlicherweise auf einen allergischen Schock durch einen Bienenstich tippt, geht Silke Haller (Christine Urspruch), von allen nur Alberich genannt, der Sache im Labor auf den Grund. Das Ergebnis der emsigen Alberich lässt keinen Zweifel offen: Jemand hat dem Schriftsteller ein synthetisches Bienentoxin verabreicht. Gold behauptet sofort, ein paraguayischer Rebellenführer namens Pablo habe ihn attackiert.
Ein tödliches Tauschgeschäft im Internet-Chat
Nach einem weiteren Anschlag auf Golds neue Unterkunft flieht das Trio mitsamt der Verlegerin Sabina Kupfer (Eva Verena Müller) in ein abgelegenes Landhaus, wohin sich Boerne zum Schreiben zurückgezogen hat. In der Nacht eskaliert die Situation vollends, als eine Scharfschützin namens Lisa Wagner (Henriette Heine) durch das Fenster feuert und die Verlegerin tötet. Die Ermittlungen von Thiel enthüllen eine völlig absurde Wahrheit hinter dem Attentat. Die Scharfschützin sollte im Rahmen eines bizarren Online-Tauschgeschäfts eigentlich nur den Hund des Autors liquidieren, da Gold im Gegenzug den ungeliebten Hund ihres Ehemannes beseitigt hatte. Weil das Tier jedoch auf der Bettdecke der Verlegerin schlief, durchschlug das Projektil den Vierbeiner und traf die Frau tödlich. Es stellt sich heraus, dass der vermeintliche Dschungel-Heimkehrer ein notorischer Hochstapler ist. Er saß in Südamerika lediglich wegen eines Bankraubs im Knast und wollte seine Geliebte zum Schweigen bringen.
Showdown mit einem erfundenen Dschungel-Gangster
Um dem lügnerischen Treiben ein Ende zu setzen, greift die Münster-Kriminalpolizei zu einer Scharade. Thiel und Boerne inszenieren eine Falle und gaukeln dem Autor vor, ihn in Schutzhaft zu nehmen. Dabei schlüpft der Assistent Mirko Schrader (Björn Meyer) in die Rolle des vom Autor erfundenen Gangsterbosses Pablo, inszeniert das eingangs gezeigte Schein-Attentat auf den Kommissar und bringt den weinerlichen Schwindler schließlich dazu, die gesamte Wahrheit lautstark zu gestehen.
Gelungener Hochspannungstrip oder nur albernes Kasperltheater?
Mit der Episode "Der Mann, der in den Dschungel fiel" liefert der Münster-Krimi ein echtes Highlight ab, das die ewige Balance zwischen Humor und Kriminalfall meisterhaft hält. Wer den üblichen, bisweilen arg flachen Klamauk der Ermittler befürchtet, kann beruhigt aufatmen. Natürlich schenken sich Thiel und Boerne auch diesmal keine Nettigkeiten, und die Wortgefechte mit Alberich sitzen gewohnt präzise. Doch der eigentliche Fall um den dauerlügenden Stadtschreiber besitzt eine derart clevere, wendungsreiche Kriminalhandlung, dass der Humor wie gefordert nie zur reinen Selbstdarstellung verkommt. Durch den genialen Spannungsbogen rund um Thiels vermeintliches Ableben bleibt der Zuschauer bis zur letzten Minute gefesselt. Das Einschalten lohnt sich an diesem Abend definitiv, da der Film zu den stärksten und handwerklich saubersten Geschichten der gesamten Reihe gehört.








