Düstere Schatten über Schwanitz: "Nord bei Nordwest - Pechmarie" heute (29.01.2026) in der ARD

© NDR/Gordon Timpen
Die Idylle an der Küste trügt einmal mehr, denn wenn in der ARD heute Abend (29.01.2026) um 20:15 Uhr eine neue Episode von "Nord bei Nordwest" läuft, weht ein besonders kalter Wind durch die Gassen von Schwanitz. In der Folge "Pechmarie" wird das Ermittlerduo Hauke Jacobs (Hinnerk Schönemann) und Hannah Wagner (Jana Klinge) mit einem Szenario konfrontiert, das selbst für die erfahrenen Gesetzeshüter eine neue Qualität der Brutalität darstellt. Ein einsames Waldstück wird zum Schauplatz eines Massakers, das vier Leichen hinterlässt. Es ist das blutige Resultat eines Drogengeschäfts, das gründlich schiefgelaufen ist. Während das weiße Pulver noch vor Ort gesichert werden kann, fehlt von den Koffern voller Bargeld jede Spur. Dieser Fund ist jedoch nur der Auftakt für eine Geschichte, die tief in die tragische Vergangenheit einer jungen Frau blickt und die moralischen Grundfesten der Polizisten ins Wanken bringt.
Eine Frau zwischen den Fronten
Im Zentrum des Sturms steht Marie Hansen (Anne Zander), die von den Dorfbewohnern nur mitleidig oder spöttisch "Pechmarie" genannt wird. Ihr Leben liest sich wie eine Aneinanderreihung von Schicksalsschlägen, die kaum ein Mensch allein verkraften kann. Nachdem sie bereits in der Kindheit ihre gesamte Familie durch einen Unfall verlor und kurz darauf durch einen Blitzeinschlag ihr Gehör einbüßte, scheint das Unglück an ihr zu kleben wie Pech. Der gewaltsame Tod ihres Bruders Moritz ist nun der finale Schlag, doch dieses Mal bricht Marie nicht unter der Last zusammen. Als sie erfährt, dass ihr Bruder sein Leben riskierte, um das verschuldete Elternhaus vor einem skrupellosen Investor zu retten, erwacht in der vermeintlich Schwachen ein ungeahnter Widerstandswille. Marie ist nicht länger bereit, die Rolle des ewigen Opfers zu spielen, und setzt alles daran, das verschwundene Geld für sich zu beanspruchen.
Moralische Zwickmühlen und kühle Killer
Hauke Jacobs (Hinnerk Schönemann) und Hannah Wagner (Jana Klinge) spielen das emotionale Tauziehen ihrer Figuren mit einer wunderbaren Zurückhaltung, die den Zuschauer tief in die Ermittlungsarbeit hineinzieht. Besonders die Unterstützung durch Jule Christiansen (Marleen Lohse) bringt Licht in die dunkle Familiengeschichte der Hansens und führt die Beamten direkt zu Marie. Doch hier beginnt das eigentliche Dilemma: Wie verhält man sich als Polizist, wenn man einer Frau gegenübersteht, der das Schicksal so übel mitgespielt hat, dass man ihr den illegalen Geldsegen von Herzen gönnen möchte? Während Jacobs und Wagner noch mit ihren Prinzipien ringen, rücken die eigentlichen Drahtzieher des Drogendeals immer näher. Diese Männer stellen keine philosophischen Fragen über das Glück oder die Gerechtigkeit. Für sie zählt nur die Beute, und Marie steht ihnen dabei im Weg.
Ein Krimiabend mit Tiefgang
Dieser Film ist weit mehr als ein gewöhnlicher Donnerstags-Krimi, da er sich traut, existenzielle Fragen zu stellen, ohne dabei in kitschige Abgründe zu rutschen. Die Regie verzichtet auf künstliche Aufregung und setzt stattdessen auf eine dichte Atmosphäre und eine Hauptfigur, deren Stille stärker wirkt als jeder Schrei. "Pechmarie" zeigt eindrucksvoll, dass Glück und Pech oft nur zwei Seiten derselben Medaille sind und dass das Leben manchmal Entscheidungen verlangt, bei denen es kein eindeutiges Richtig oder Falsch gibt. Wer Lust auf eine fesselnde Geschichte hat, die durch starke Charaktere und eine Prise norddeutscher Melancholie besticht, sollte sich diesen Termin in der ARD rot anstreichen. Es ist ein Fernsehabend, der noch lange nach dem Abspann zum Nachdenken anregt. "Nord bei Nordwest - Pechmarie" ist auch über die ARD Mediathek abrufbar.








