Schon wieder kein Tatort! Münchner Polizeiruf 110 "Ablass" bittet heute (15.03.2026) in der ARD zum moralischen Verhör

© BR/die film gmbh/Susanne Bernhard
Krimifans müssen heute Abend (15.03.2026) erneut auf ihren gewohnten Tatort verzichten, doch der Ersatz aus München verspricht eine Intensität, die manchen klassischen Whodunit blass aussehen lässt. Mit "Polizeiruf 110: Ablass" schickt die ARD um 20:15 Uhr das Münchner Ermittlerduo ins Rennen, das sich in einem Sumpf aus religiöser Symbolik und tief sitzenden Schuldgefühlen verliert. Es kommt selten vor, dass zwei Wochen in Folge kein neuer Tatort ausgestrahlt wird, doch dieser Fall der Münchner Kommissare Cris Blohm und Dennis Eden rechtfertigt die Programmauswahl mit einer ungewöhnlich ernsten Tonalität. Der Titel spielt dabei meisterhaft mit der kirchlichen Bedeutung des Begriffs, nutzt ihn jedoch vor allem als psychologisches Motiv für eine Geschichte, die unter die Haut geht.
Paradoxe Geständnisse und rätselhafte Leichenfunde
Den Auftakt bildet ein grauenhafter Fund in einer Münchner Isarwehranlage, wo die Leiche einer ermordeten Frau entdeckt wird. Das Rätselhafte daran ist weniger die Tat selbst als vielmehr die Reaktion des bereits gefassten Léon Kamara (Yoli Fuller), dessen Geständnis in eklatantem Widerspruch zur tatsächlichen Auffindesituation steht. Warum behauptet ein Mann, ein Opfer zerstückelt zu haben, wenn die Leiche unversehrt aufgefunden wird? Cris Blohm (Johanna Wokalek) und Dennis Eden (Stephan Zinner) stehen vor der Frage, welches Motiv hinter dieser freiwilligen, aber verlogenen Selbstbezichtigung steckt. Parallel dazu führt ein tödlicher Autounfall mit Fahrerflucht zu Victor Reisinger (Shenja Lacher), einem arbeitslosen Familienvater, dessen Geständnis ebenfalls Lücken aufweist, die den erfahrenen Ermittlern keine Ruhe lassen.
Ein Labyrinth aus Schuld und Fragmenten
Dieser "Polizeiruf 110" gehört zweifellos zu den düstersten Momenten der jüngeren Polizeiruf-Historie, da sie die Grenzen zwischen Täter- und Opferperspektive fast schon schmerzhaft eng miteinander verschränkt. Um die Wahrheit hinter den widersprüchlichen Aussagen zu finden, sucht Cris Blohm Rat bei dem renommierten Rechtsanwalt August Schellenberg (Tobias Moretti), während sich die Ermittler zunehmend mit ihren eigenen moralischen Grenzen konfrontiert sehen. Die Regie setzt auf eine fragmentierte Erzählweise mit Rückblenden, die das gesamte Ausmaß der Schuld erst sehr spät für den Zuschauer sichtbar machen. Gedreht wurde an Orten, die eine beklemmende Einsamkeit ausstrahlen, wie abgelegenen Waldkapellen und verfallenen Gehöften, die die beklemmende Atmosphäre des Films perfekt untermalen.
Stille Wucht statt klassischer Action
In diesem "Polizeiruf 110" geht es weniger um spektakuläre Verfolgungsjagden, sondern vielmehr um die psychologische Schwere einer Sühne, die weit über das juristische Maß hinausgeht. Die Inszenierung arbeitet mit ruhigen, aber kraftvollen Bildern, die das Spannungsfeld zwischen Pflichtgefühl und innerem Zerwürfnis der Figuren betonen. Am Ende bleibt ein Film, der durch seine moralische Konsequenz und die schauspielerische Leistung des Ensembles besticht und beim Zuschauer einen nachhallenden Eindruck hinterlässt. Man darf gespannt sein, ob die kommenden Wochen wieder zum klassischen Tatort-Schema zurückkehren, oder ob diese anspruchsvollen Formate den Sonntagabend dauerhaft prägen werden.
Nach Ausstrahlung wird der Polizeiruf 110 "Ablass" auch über die ARD Mediathek abrufbar sein.








