Free-TV-Premiere "Führer und Verführer": Wie Goebbels Deutschland in den Abgrund trieb - heute (25.01.2026) in der ARD

© SWR/Zeitsprung/Wild Bunch/Stephan Pick
Schonungslose Einblicke in die dunkelste Epoche der deutschen Geschichte gewährt das Erste heute Abend (25.01.2026) um 23:35 Uhr mit der Free-TV-Premiere von "Führer und Verführer". Der deutsch-slowakische Kinofilm bricht radikal mit klassischen Sehgewohnheiten und präsentiert eine hybride Form aus packendem Spielfilm, historischem Archivmaterial und bewegenden Zeitzeugengesprächen. Im Zentrum steht dabei das mörderische Duo aus Adolf Hitler (Fritz Karl) und seinem Propagandachef Joseph Goebbels, dessen rhetorische Giftmischerei den Weg in den Abgrund ebnete. Regisseur Joachim A. Lang verzichtet dabei auf jede Form der Verklärung und rekonstruiert stattdessen die Jahre 1938 bis 1945 als eine Chronik des organisierten Wahnsinns.
Robert Stadlober als Propagandaminister Joseph Goebbels
Brillant und erschreckend zugleich verkörpert Robert Stadlober den Propagandaminister Joseph Goebbels. Er spielt diesen Mann nicht als platte Karikatur, sondern als einen brandgefährlichen Strategen der Macht, der zwischen Zynismus, Narzissmus und absolutem Gehorsam schwankt. Stadlober, der laut eigener Aussage zunächst zögerte, in die Haut dieses Unmenschen zu schlüpfen, liefert hier eine seiner stärksten Karriereleistungen ab. Er macht spürbar, wie Goebbels seine private Krise - etwa die von Hitler befohlene Trennung von der tschechischen Schauspielerin Lída Baarová - in noch radikaleren politischen Fanatismus ummünzte. Die schauspielerische Intensität verdeutlicht, dass die Nationalsozialisten keine Dämonen aus einer anderen Welt waren, sondern Menschen, die sich ganz bewusst für das Böse entschieden.
Eine Propagandamaschine außer Kontrolle
Besonders beeindruckend zeigt der Film, wie die Lüge zum staatstragenden Prinzip erhoben wurde. Während Goebbels nach außen hin noch Friedensbereitschaft heuchelte, bereitete er im Inneren bereits die deutsche Bevölkerung auf den Vernichtungskrieg und den Holocaust vor. Von der Reichspogromnacht bis hin zur berüchtigten Sportpalastrede zum "totalen Krieg" wird die perfide Strategie demaskiert, mit der Nachrichten verbogen und Filme wie "Der ewige Jude" zu Werkzeugen des Völkermords instrumentalisiert wurden. Diese historische Rekonstruktion basiert dabei auf verbrieften Quellen und Dialogen, was dem Gezeigten eine beklemmende Authentizität verleiht und den Zuschauer direkt in das Machtzentrum des Unrechtsstaates zieht.
Mahnung in Zeiten von Fake News
Über das historische Drama hinaus schlägt "Führer und Verführer" eine alarmierende Brücke in die Gegenwart. In einer Ära, in der Desinformation Warfare und gezielte Fake News erneut genutzt werden, um Demokratien zu untergraben, wirkt die Analyse der NS-Propaganda wie ein dringender Warnhinweis. Der Film verdeutlicht, dass die Mechanismen der Manipulation zeitlos sind und auch heute wieder von antidemokratischen Kräften genutzt werden, um Hass zu säen und die öffentliche Meinung zu vergiften. Die Einbindung von Überlebenden wie Margot Friedländer oder Charlotte Knobloch sorgt dafür, dass die Opfer hinter den statistischen Zahlen von 60 Millionen Kriegstoten und sechs Millionen ermordeten Juden niemals in Vergessenheit geraten.
Ein umstrittenes Meisterwerk?
Die Frage, ob dieser Film umstritten ist, lässt sich mit einem klaren Jein beantworten. Während Historiker und Kritiker die akribische Quellenarbeit und die darstellerische Wucht Stadlobers loben, gibt es Stimmen, die vor einer erneuten filmischen Bühne für die Täter warnen. Doch genau hier liegt die Stärke des Films: Er verweigert sich der bloßen Inszenierung und nutzt die Fiktion, um die Mechanismen der Verführung bloßzustellen, statt sie zu reproduzieren. Es ist kein einfacher Film für einen späten Abend, aber ein essenzieller Beitrag zur politischen Bildung. Das Einschalten lohnt sich für jeden, der verstehen will, wie Sprache zur Waffe wird und warum Wachsamkeit gegenüber modernen Hetzern heute wichtiger ist denn je.









