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Köln-Tatort: Warum die Raver-Clique vom "Colonius" 30 Jahre lang schwieg - heute (28.03.2026) im WDR

Samstag, 28.03.2026 14:26 Uhr | Tags: WDR, Krimi, Tatort, Dietmar Bär, Klaus J. Behrendt, Joe Bausch, Roland Riebeling

Die Kölner Skyline ohne ihren markanten Fernsehturm ist unvorstellbar, doch heute (28.03.2026) um 20:15 Uhr im WDR wird der "Colonius" im gleichnamigen Tatort zum düsteren Mahnmal verdrängter Schuld. Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) müssen in diesem außergewöhnlichen Fall tief in die glitzernde, aber auch gefährliche Welt der Neunzigerjahre eintauchen. Alles beginnt mit dem Mord am Szenefotografen Alex Schmitz (Sven Gerhardt), der tot in seiner Wohnung aufgefunden wird. Die Ermittlungen führen das Duo schnell zu einer alten Raver-Clique, bestehend aus Christian Kohlheim (Thomas Loibl), Meike Bennis (Karoline Eichhorn) und René Horvath (Andreas Pietschmann). Die Gruppe verband einst die Liebe zum harten Techno und den legendären Partys über den Dächern der Stadt, doch hinter den bewusst überzeichneten Rückblenden aus Freiheit und Drogenkultur verbirgt sich ein Geheimnis, das drei Jahrzehnte lang im Verborgenen lag.

Ein Grab im Aufzugsschacht des Funkturms

Der Fall gewinnt an psychologischer Schärfe, als die Kommissare auf das Verschwinden von Gina Grabitz (Emma Bading) stoßen, die in jener Zeit nach einer exzessiven Partynacht spurlos verloren ging. Während ihre Tochter Svenja Kohlheim (Vanessa Loibl) heute nach Antworten sucht, offenbart die Doppelstruktur der Erzählung die tragische Wahrheit der Vergangenheit. In den Neunzigern eskalierte ein Streit in der Gruppe, nachdem Gina dem Fotografen Alex offenbarte, dass er der Vater ihres Kindes sei. Die Situation geriet außer Kontrolle: Meike sperrte die junge Mutter in einen Kühlraum, wo diese unbemerkt an einer Überdosis Ecstasy verstarb. Um Alex’ Drogengeschäfte zu decken, traf die Clique eine fatale Entscheidung und warf die Leiche in den Aufzugsschacht des Colonius - ein Ort, der für sie zum Symbol des Schweigens wurde.

Zwischen Nostalgie und surrealer Abrechnung

Ballauf und Schenk agieren in diesem Geflecht aus Lügen gewohnt routiniert, während sie im mittlerweile stillgelegten Turm tatsächlich auf die skelettierten Überreste der Vermissten stoßen. Die Episode nutzt den Colonius als kraftvolles Bild für das Abgeschottete und Verlassene, wobei die Atmosphäre durch die Kontraste zwischen der grellen Jugendkultur von damals und der ernüchternden Realität von heute getragen wird. Besonders das Finale der Folge, das mit surrealen Elementen arbeitet und den psychischen Druck der Beteiligten bildgewaltig entlädt, gilt unter Kritikern als mutiges Experiment. Es ist ein Tatort, der weniger auf klassische Milieukriminalität setzt, sondern die zerstörerische Kraft von Gruppendynamik und jahrelanger Verleugnung in den Mittelpunkt rückt.

Die bittere Quittung für ein Leben in Unwahrheit

Am Ende ist es ein unvorsichtiger Moment im digitalen Austausch, der das Kartenhaus zum Einsturz bringt. Durch preisgegebenes Täterwissen in einem Chat gerät Meike Bennis in die Enge, was schließlich dazu führt, dass sich Christian Kohlheim der Polizei stellt. "Colonius" punktet vor allem mit seinem speziellen 90er-Flair und der starken Besetzung der beiden Zeitebenen, wobei Dr. Roth (Joe Bausch) und Norbert Jütte (Roland Riebeling) das bewährte Team im Präsidium vervollständigen. Wer diesen atmosphärisch dichten Krimi beim ersten Mal verpasst hat, sollte die heutige Wiederholung nutzen, um zu sehen, wie die Vergangenheit buchstäblich vom Turm fällt und eine ganze Clique in den Abgrund reißt.

Der Köln-Tatort "Colonius" ist auch über die ARD Mediathek abrufbar.


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