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Oper trifft Comedy: "Die Entführung aus dem Serail" mit Bülent Ceylan heute (25.07.2026) auf 3sat

Samstag, 25.07.2026 14:07 Uhr | Tags: 3sat, Oper, Bülent Ceylan

Wenn die Staatsoper Berlin einen Comedian auf die Bühne stellt, geht es selten ohne Beifall und Brechreiz ab: Im Rahmen des 3sat Festspielsommers läuft heute (25.07.2026) um 20:15 Uhr die Aufzeichnung von Mozarts Singspiel "Die Entführung aus dem Serail". Die Geschichte rund um eine Befreiung aus einem orientalischen Serail behandelt eigentlich die großen Themen Freiheit, Macht und Menschlichkeit. Doch die Neuinszenierung von Regisseurin Andrea Moses begnügt sich nicht mit dem Original, sondern besetzt die Sprechrolle des Bassa Selim ausgerechnet mit Bülent Ceylan, um den Klassiker krampfhaft ins Hier und Jetzt zu wuchten.

Bassa Selim als Comedian: Wenn der Bassa Witze über kulturelle Welten reißt

Mozarts Singspiel, das bereits 1782 in Wien Premiere feierte, lebt seit jeher vom Wechselspiel aus geschriebenen Dialogen und virtuosen Arien. Die Berliner Inszenierung nimmt diesen Ball auf und zieht Parallelen zwischen der Opernfigur und dem prominenten Gastdarsteller: Wie Bassa Selim steht auch Bülent Ceylan persönlich zwischen verschiedenen kulturellen Welten. In seiner Rolle begleitet der Comedian das Geschehen auf der Bühne, greift die Handlung auf und kommentiert sie aus heutiger Sicht. Die Inszenierung versucht damit gezielt, verstaubte Rollenbilder, Vorurteile und den Umgang mit dem Fremden zu hinterfragen, um einen Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart aufzumachen.

Dialog der Kulturen oder schlichtweg Ceylan-Show auf der Opernbühne?

Die Motivation hinter dieser Regieentscheidung ist unverkennbar: Mozarts Werk soll aus unterschiedlichen kulturellen Blickwinkeln beleuchtet werden, um Fragen nach Identität, Zugehörigkeit und modernem Zusammenleben neu zu verhandeln. Ob die Einbindung eines Comedians in eine klassische Mozart-Oper die emotionale Tiefe der musikalischen Konflikte tatsächlich schärft oder das Geschehen am Ende eher zur Comedy-Bühne verkommen lässt, müssen die Zuschauerinnen und Zuschauer für sich selbst entscheiden. Mozarts Musik behält mit ihren virtuosen Arien und differenzierten Klangfarben zwar ihre Strahlkraft, tritt durch den zeitgenössischen Kommentar-Ansatz aber phasenweise spürbar in den Hintergrund.

Bravouröse Absicht, aber ein Experiment mit gewaltigem Anbiederungsgeschmack

Was die Staatsoper Berlin mit der Neuinszenierung von Mozarts "Die Entführung aus dem Serail" als mutigen Schritt in Richtung Gegenwart verkaufen möchte, wirkt in der Praxis wie der verzweifelte Versuch, ein ohnehin zeitloses Meisterwerk krampfhaft auf Jugendlichkeit und Promi-Faktor zu trimmen. Wer Mozarts geniale Partitur ungestört genießen will, muss bei den ständigen Einwürfen von Ceylan stark sein: Statt tiefgründiger Denkanstöße zur Integrationsdebatte driftet das kommentierende Spektakel verlässlich in seichte Wohlfühl-Pädagogik ab. Als Experiment für den heimischen Fernsehabend mag das kurios genug sein, um dranbleiben zu wollen - ein echter Gewinn für Mozarts Oper ist diese bildungsbürgerliche Crossover-Anbiederung jedoch kaum.

"Die Entführung aus dem Serail" mit Bülent Ceylan ist auch über die 3sat Mediathek abrufbar (verfügbar bis zum 21.01.2027).


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