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Weihnachten mit Seele und Schrotflinte: Warum "Krauses Fest" heute (08.12.2025) mehr als nur eine Wiederholung ist

Montag, 08.12.2025 14:41 Uhr | Tags: MDR, Komödie, Weihnachten, Horst Krause

Wenn in der oft hektischen Adventszeit die Suche nach der wahren Weihnachtsstimmung beginnt, lohnt sich ein Blick in die Provinz. Heute (08.12.2025) wiederholt der MDR um 20:15 Uhr die Komödie "Krauses Fest", eine zeitlose Hommage an die Brandenburger Seele und die melancholisch-warmherzige Präsenz von Horst Krause in seiner Paraderolle als Dorfpolizist. Dieser Film, der die stillen Dramen und skurrilen Eigenheiten eines märkischen Dorfes einfängt, ist mehr als eine simple Weihnachtsposse - er ist ein Plädoyer für Menschlichkeit und zweite Chancen. Der Weihnachtsfilm "Krauses Fest" ist auch über die ARD Mediathek abrufbar.

Gestrandet im Weihnachtswunderland

Kurz vor Heiligabend nimmt das Schicksal für die Berlinerin Marie Dost (Gabriela Maria Schmeide) und ihren Sohn Fabian (Enno Trebs) eine dramatische Wendung. Marie flüchtet mit Fabian aus der Hauptstadt, nachdem sie ihren Lebensgefährten Günter (Ingo Naujoks) in zweifelhafter Begleitung gesichtet hat. Die Flucht endet abrupt, als ihr Auto kurz vor dem beschaulichen Schönhorst liegenbleibt.

Zu Fuß erreichen Mutter und Sohn den Ort und geraten direkt in ein dörfliches, tragikomisches Geschehen: Polizeihauptmeister Krause (Horst Krause) versucht gerade, seinen Festtagshasen vor dem hungrigen Forstarbeiter Liebmann (Dominique Horwitz) zu retten. Der Hase überlebt, und Krause bietet Marie spontan seine Hilfe an. Da das Auto nicht reparabel ist und die Weiterreise unmöglich, bringt Krause die beiden im Gasthof seiner Schwestern Elsa (Carmen-Maja Antoni) und Meta (Angelika Böttiger) unter. Die beiden Schwestern, die im Winter eigentlich keine Gäste aufnehmen, beäugen die attraktive Fremde und ihren Sohn argwöhnisch. Der einsame Liebmann hingegen wirft sofort ein Auge auf Marie.

Der Polizist als Räuber und Gendarm

Während die Schwestern Krauses Hilfsbereitschaft falsch deuten und die Gerüchteküche im Gasthof brodelt, hat Krause andere Sorgen. Er ignoriert demonstrativ eine Suchmeldung nach Marie und Fabian, weil ihm die menschliche Not der beiden wichtiger erscheint als die Bürokratie. Seine Pflichten im Dienst beschränken sich auf die Warnung der Dorfjugend, den noch nicht richtig zugefrorenen Dorfteich zu meiden.

Die wahre Detektivarbeit beginnt jedoch erst, als Gänse-Schlunzke (Andreas Schmidt) aufgebracht von einem vermeintlichen Gänseklaust berichtet, der einen Versicherungsbetrug verschleiern soll. Krause vertröstet ihn auf den Vormittag des Heiligabends, doch insgeheim schmiedet er einen Plan. Nach dem Abendessen fragt Krause den jungen Fabian, ob er mit ihm "Räuber und Gendarm" spielen möchte, allerdings "in echt".

Mutter Maries Erlaubnis eingeholt, verstecken sich Polizist und Junge am Gänsehof. Tatsächlich ertappen sie Gänse-Schlunzke und seine Tochter Fine (Marie Domnig), wie sie die "gestohlenen" Gänse wieder in den Stall bringen. Schlunzke gesteht, er wollte seiner Tochter ein Paar Schlittschuhe zu Weihnachten kaufen, hatte aber kein Geld. Krauses Herz triumphiert über die Dienstvorschrift: Mit Rücksichtnahme auf Fines Weihnachtswunsch drückt er ein Auge zu, und der Fall des Gänsediebstahls existiert offiziell nicht mehr.

Große Liebe, kleine Geheimnisse und ein versunkener Hase

Am nächsten Morgen enthüllt Fabian, dass er auf dem Dachboden alte Briefe Krauses gefunden hat. Der Polizist erzählt dem Jungen daraufhin von seiner großen, unerfüllten Liebe, der Zirkuskünstlerin Piranelli. Die Suche nach Krauses verschwundenem Festtagshasen führt den Polizisten, Marie und Fabian in den verschneiten Wald, um eine Tanne zu holen - eine kleine, idyllische Ersatzfamilie ist kurzzeitig entstanden.

Die Auflösung des Rätsels um den Hasen ist typisch Krause: Am Abend in der Kirche taucht das Tier mitten im Krippenspiel wieder auf. Fabian hatte ihn freigelassen, um ihm die Schlachtung zu ersparen. In der Gaststätte feiern die Schwestern, Krause und die Berliner Gäste schließlich gemeinsam Weihnachten. Krause tanzt mit Marie, was die Schwestern irritiert: Bahnt sich da eine späte Romanze an?

Am nächsten Morgen verschwindet Fabian erneut, was Krause zu einer verzweifelten Suche mit seinem Motorrad mit Beiwagen veranlasst. Er findet den Jungen und erfüllt ihm den Wunsch, ihn nach Berlin zu fahren. Dort entdeckt Fabian, dass sein Lebensgefährte tatsächlich auszieht, was seine Enttäuschung vertieft. Bei einem Tankstopp trifft Krause unverhofft seine Jugendliebe Piranelli (Angelika Waller), die dort als Kassiererin arbeitet. Die Begegnung ist kurz, aber bedeutungsvoll.

Zurück in Schönhorst bricht Fabian beim Versuch, über den nicht völlig zugefrorenen Teich zu Fine zu gelangen, ein - Krause rettet ihn. Endlich klärt sich auch das Missverständnis mit Günter auf, der im Gasthof ankommt und Marie erklärt, dass seine "Affäre" lediglich seine Maklerin war. Er wollte Marie mit einer gemeinsamen neuen Wohnung überraschen. Marie, Fabian und Günter fahren zurück nach Berlin, und Krause findet den Mut, seiner Jugendliebe einen Brief zu schreiben.

Fazit: Die melancholische Kraft der Provinz

"Krauses Fest" ist weit mehr als nur gemütliche RBB-Produktion, es ist ein Stück Heimatfilm, das dem Genre Würde zurückgibt. Der Film lebt von der unvergleichlichen, authentischen Präsenz Horst Krauses, dessen Dorfpolizist die Melancholie und den trockenen Humor der märkischen Landschaft verkörpert. Er balanciert meisterhaft zwischen der Betulichkeit des ländlichen Lebens und den tiefen, universellen Themen wie Einsamkeit, verpasste Chancen und die Sehnsucht nach Liebe. Die Nebenfiguren, allen voran die spitzzüngigen Schwestern und der skurrile Gänse-Schlunzke, sind lebensnah gezeichnet und verhindern, dass die Handlung in zu süßliche Gefilde abdriftet. Zwar mag der Film in seinem erzählerischen Tempo eher beschaulich sein und auf große, überraschende Wendungen verzichten - doch gerade diese Ruhe ermöglicht es, die leisen, menschlichen Momente voll auszukosten. Der Film ist ein warmherziger Aufruf an die Zuschauer, zur Weihnachtszeit nicht nur die Geschenke, sondern auch die kleinen, aber wichtigen Gesten der Güte zu sehen. Er schenkt Solidität und Charme statt erzählerischer Akrobatik.


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