Abgründe hinter weißblauer Idylle: München-Tatort "Königinnen" am Pfingstsonntag (24.05.2026) in der ARD

© BR/Odeon Fiction GmbH/Luis Zeno Kuhn
Die Tatort-Sommerpause bestimmt auch am Pfingstsonntag das Abendprogramm in der ARD. Statt eines neuen Tatorts wird heute (24.05.2026) um 20:15 Uhr der München-Tatort "Königinnen", bei dem ein ländliches Tagungshotel zum Schauplatz eines brutalen Verbrechens wird, wiederholt. Ausgerechnet das sonst so fröhlich gefeierte bayerische Brauchtum liefert darin den Schauplatz für ein bitterböses Drama um Macht und Missbrauch. Josef Gehrling (Wolfgang Fierek), der einflussreiche Präsident des Bavaria-Bundes, wird beim großen Gipfeltreffen der bayerischen Produktköniginnen mit einem Bolzenschussgerät attackiert und ringt auf der Intensivstation mit dem Tod. Für die Münchner Kriminalhauptkommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) beginnt eine Spurensuche im vermeintlich heilen Kosmos von Heuballen und Festzelten, bei der sich schnell zeigt, dass jede der anwesenden Majestäten ein verdammt gutes Motiv für die Tat hatte.
Machtmissbrauch im Schatten der Spargelkrone
Schon kurz nach Beginn der Untersuchungen bröckelt die weißblaue Fassade des Festes gewaltig. Die Ermittler kommen schnell dahinter, dass das Opfer seine einflussreiche Position systematisch für sexuelle Übergriffe ausgenutzt hat. Keine der anwesenden Majestäten, von der Spargel- über die Honig- bis zur Weißwurstkönigin, war vor den Belästigungen des Verbandchefs sicher. Jede der jungen Frauen hat somit ein handfestes Motiv, um es dem Peiniger heimzuzahlen, und selbst die Organisatorin des Königinnentags, Sylvia (Veronica Ferres), gerät ins Visier der Ermittlungen. Die Atmosphäre auf dem Treffen ist hochgradig vergiftet, da mehrere der Hoheiten in harter Konkurrenz zueinander stehen und zwei der Betroffenen kurz davor standen, die Missbrauchsvorfälle öffentlich zu machen.
Eine Zwiebelkönigin im Gefühlschaos und eine verdächtige Tatwaffe
Unerwartete Unterstützung erhalten die Münchner Tatort-Kommissare, die wie gewohnt von Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer) unterstützt werden, direkt aus den Reihen der Hoheiten. Die Nördlinger Zwiebelkönigin Annelie (Daria Vivien Wolf) ist im bürgerlichen Leben nämlich Polizeischülerin und bietet den Kollegen ihre Hilfe an. Allerdings unterläuft der Nachwuchskraft direkt zu Beginn ein Fehler, als sie die Tatwaffe berührt und wichtige Fingerabdrücke kontaminiert. Unterdessen gerät die bayerische Weißwurstkönigin Sina (Bernadette Leopold) unter dringenden Tatverdacht, da sie den Umgang mit einem Schlachtschussapparat beherrscht und zudem ihr Schuh am Tatort gefunden wurde. Sie beteuert jedoch ihre Unschuld und behauptet, dem allergischen Gehrling nach einem Bienenstich mit einer Notfall-Injektion das Leben gerettet zu haben. Zum Kreis der Verdächtigen zählen auch die Kemptener Honigkönigin Toni (Lilly Wiedemann) und die Aichacher Spargelkönigin Luise (Phenix Kühnert).
Das dramatische Finale hinter den Kulissen der Monarchie
Erst nach mühsamer Puzzlearbeit begreifen Batic und Leitmayr die tatsächlichen Hintergründe der Tat. In der Rekonstruktion der Ereignisse offenbart sich ein bitteres Drama: Annelie hatte den Verbandspräsidenten in seinem Hotelzimmer zur Rede gestellt, um ihn mit den drohenden Enthüllungen zu konfrontieren. Als Gehrling nach einem plötzlichen Insektenstich einen allergischen Schock erlitt, wollte die verzweifelte Polizeischülerin ihn zuerst hilflos zurücklassen, doch die dazwischengehende Sina rettete den Mann im letzten Moment. Kaum wieder bei Bewusstsein, drohte der reuelose Machtmensch jedoch sofort damit, Annelies Karriere und ihre gesamte Existenz mithilfe seiner Kontakte zu vernichten. In diesem Moment der Überforderung griff die junge Frau selbst zum Bolzenschussgerät und drückte ab. Der München-Tatort "Königinnen" zeigt eine klare Abrechnung mit patriarchalischen Machtstrukturen, verpackt in das bunte Gewand eines bayerischen Heimatkrimis.








