Abgrund im Angesicht des Untergangs: Die vierteilige Miniserie "Sternstunde der Mörder" heute (03.04.2026) in der ARD

© ARD Degeto Film/NDR/Servus TV/Canal+Austria/HR/Zeitgeist Filmproduktion/EPO-Film/Petro Domenigg
Mit einer Wucht, die weit über herkömmliche Historienkrimis hinausgeht, zeigt die ARD heute am Karfreitag (03.04.2026) um 20:15 Uhr die vierteilige Miniserie "Sternstunde der Mörder" am Stück. Basierend auf der Vorlage des tschechischen Humanisten Pavel Kohout entwirft Regisseur Christopher Schier ein beklemmendes Panorama der letzten Kriegstage im okkupierten Prag von 1945. Inmitten des kollabierenden NS-Unrechtsstaates jagen ein junger tschechischer Kripobeamter (Jonas Nay) und sein desillusionierter Gestapo-Aufpasser (Nicholas Ofczarek) einen Serienmörder, der es auf Offizierswitwen abgesehen hat. Es ist ein rauer, ungeschönter Blick auf eine Zeit, in der Gut-Böse-Schemata längst zerfallen sind und die persönliche Haltung zum einzigen Kompass in einem Meer aus Chaos, Hass und entfesselter Gewalt wird.
Teil 1: Ein Mord im Schatten der Besatzung
Der Auftakt führt uns in das Prag des März 1945, eine Stadt im Würgegriff der Nationalsozialisten, während die Alliierten unaufhaltsam näher rücken. Als eine deutsche Offizierswitwe grausam ermordet wird, übernehmen Hauptkommissar Beran (Karel Dobrý) und sein engagierter Mitarbeiter Jan Morava den Fall unter strengster Geheimhaltung. Der fanatische NS-Befehlshaber Meckerle (Devid Striesow) vermutet hinter der Tat sofort einen subversiven Akt des tschechischen Widerstands und will den Fall politisch instrumentalisieren. Um die Kontrolle zu behalten, stellt er dem jungen Morava den erfahrenen Gestapomann Buback als Bewacher zur Seite, wodurch eine hochexplosive Arbeitsbeziehung unter den Augen der Besatzungsmacht entsteht.
Teil 2: Ein gefährlicher Lockvogel
Während die Verbrechensserie kein Ende nimmt, wächst der Druck durch Meckerle stetig an, der jedoch gleichzeitig eigene, private Probleme lösen muss. Er beauftragt ausgerechnet Buback damit, ihn als Begleiter für seine heimliche Geliebte, die prominente Schauspielerin Marleen Baumann (Jeanette Hain), zu vertreten. Unterdessen fasst der junge Ermittler Morava einen verzweifelten Plan, um den Phantom-Mörder endlich dingfest zu machen. Als Lockvogel stellt sich seine eigene Verlobte und Kollegin Jitka (Diana Dulinková) zur Verfügung, womit das persönliche Glück der beiden direkt in die Schusslinie des Wahnsinns gerät.
Teil 3: Die Stadt am Rande des Aufstands
Nachdem die Falle auf furchtbare Weise zuschnappt und ein schwerverletzter Lockvogel sowie ein toter Beamter zu beklagen sind, bricht für Morava eine Welt zusammen. Der Mörder (Gerhard Liebmann) konnte entkommen und scheint in den Trümmern der Stadt unsichtbar geworden zu sein. Während in den Straßen Prags der Widerstand brodelt und ein offener Aufstand gegen die deutschen Besatzer unmittelbar bevorsteht, versucht das Ermittler-Duo mit letzter Kraft, die Spur des Täters wieder aufzunehmen. Gleichzeitig erkennt der Gestapomann Buback, dass auch Marleen in Lebensgefahr schwebt, und beginnt, einen riskanten Rettungsplan zu schmieden, der ihn endgültig zwischen alle Fronten führt.
Teil 4: Das Finale in den Trümmern der Macht
Im großen Finale erhebt sich Prag gegen die Unterdrücker, doch Meckerle klammert sich mit blindem Fanatismus an die schwindende Macht. In den blutigen Wirren der Straßenkämpfe versucht Buback verzweifelt, seine Geliebte aus der Stadt zu schleusen, und wendet sich hilfesuchend an Hauptkommissar Beran, der längst als Kopf des tschechischen Widerstands agiert. Währenddessen nutzt der flüchtige Witwenmörder das allgemeine Chaos, um sich eine neue Identität zuzulegen und unterzutauchen. Doch ein winziger Fehler in seinem perfiden Plan bringt den getriebenen Morava schließlich auf seine Fährte, was zu einer letzten, unausweichlichen Konfrontation in einer Stadt führt, die gerade ihre Freiheit zurückerobert.
Moralische Grauzonen im Trümmerfeld
Die Miniserie "Sternstunde der Mörder" entfaltet ihre Wirkung vor allem durch die dichte, klaustrophobische Atmosphäre dieser letzten Tage, indem sie die moralischen Grauzonen zwischen Überleben, Opportunismus und Schuld konsequent ausleuchtet. Regisseur Christopher Schier verzichtet auf heroische Vereinfachungen, was den Ton rauer und unmittelbarer macht als in vielen anderen historischen Produktionen. Jonas Nay trägt die Serie mit einer nervösen, verletzlichen Präsenz, die den inneren Konflikt seiner Figur absolut glaubwürdig hält, während die Inszenierung Prag als gefährlichen Resonanzraum zeigt, in dem jede Entscheidung über Leben und Tod bestimmen kann. Auch wenn die Serienkiller-Handlung stellenweise wie ein zusätzlicher Druckpunkt wirkt, der nicht immer organisch mit dem historischen Panorama verschmilzt, spiegelt sie die moralische Verrohung dieser Zeit perfekt wider. Es entsteht ein intensiver, ungeschönter Mehrteiler, der weniger durch Wendungen als durch seine konsequente, bedrückende Stimmung überzeugt.
Die Miniserie "Sternstunde der Mörder" ist auch über die ARD Mediathek abrufbar.








