Doku "Der Algorithmus der Liebe": Wie der Computer seit Jahrzehnten Amor spielt - heute (12.02.2026) auf ARTE

© ZDF/Dörte Hölzemann
ARTE präsentiert heute Abend um 20:15 Uhr mit der Dokumentation "Der Algorithmus der Liebe" eine faszinierende Zeitreise in die Welt der maschinellen Partnervermittlung. Wer glaubt, dass das Wischen auf dem Smartphone eine Erfindung der Neuzeit sei, wird in diesem Film eines Besseren belehrt. Die Suche nach dem perfekten Gegenstück begann nämlich nicht erst im Silicon Valley der 2000er Jahre, sondern bereits in den Laboren der 1950er, als Computer noch ganze Räume füllten. Die Dokumentation beleuchtet die Geschichte hinter dem "Perfect Match" und geht der fundamentalen Frage nach, ob sich die Unberechenbarkeit menschlicher Gefühle tatsächlich in mathematische Formeln pressen lässt. Es ist ein Blick auf eine Allianz aus IT-Experten und Sozialwissenschaftlern, die seit über siebzig Jahren versuchen, das Chaos der Liebe durch die Logik von Einsen und Nullen zu bändigen.
Pioniere des Herzens am Großrechner
Lange bevor das Internet unsere Kommunikation revolutionierte, setzten zwei amerikanische Elektroingenieurstudenten den Grundstein für das heutige Online-Dating. Jim Harvey und Phil Fialer kamen Ende der 1950er Jahre auf die Idee, dass der Computer das ideale Werkzeug sei, um die Einsamkeit zu besiegen. Unter dem Namen "Happy Families Planning Service" erschufen sie ein Programm, das die Psychogramme von Versuchspersonen verglich. Bei einer legendären Party mit jeweils 49 Männern und Frauen wurden die Daten abgeglichen, um Paare mit den größten Übereinstimmungen zusammenzuführen. Dieser frühe Versuch verfestigte die Vorstellung, dass eine glückliche Beziehung kein Zufallsprodukt sein muss, sondern das Ergebnis eines präzisen Datenabgleichs sein kann. Es war die Geburtsstunde einer Euphorie, die in den 1960er Jahren ihren ersten großen Höhepunkt fand und die Partnervermittlung auf ein wissenschaftliches Fundament stellte.
Vom Trauschein zum modernen Beziehungsmarkt
Mit der fortschreitenden Liberalisierung der Gesellschaft in den späten 1960er und 1970er Jahren wandelte sich auch der Anspruch an die maschinelle Kuppelei. Während es anfangs oft noch um die klassische Anbahnung einer Ehe ging, entwickelte sich das Feld zunehmend zu einem freien Partnerschaftsmarkt. Kommerzielle elektronische Vermittler schossen wie Pilze aus dem Boden und forderten die traditionellen kirchlichen Institute heraus. Die Dokumentation zeigt eindrucksvoll, womit die Pioniere ihre Apparate fütterten: Eigenschaften, Hobbys und Lebenseinstellungen wurden in Lochkarten gestanzt, um das Prinzip "Gleich und Gleich gesellt sich gern" zu automatisieren. Dabei stellt der Film auch die spannende Gegenfrage nach der Bedeutung von Unterschieden, denn oft sind es gerade die Reibungspunkte, die eine Beziehung lebendig halten und die kein Algorithmus der Welt sicher vorhersagen kann.
Die Herrschaft der Dating-Apps und ihre Folgen
Heutzutage ist das Kennenlernen per Computer durch Smartphones und Apps wie Tinder oder Parship allgegenwärtig geworden, doch die Mechanismen dahinter sind im Kern dieselben geblieben. Die Dokumentation fragt kritisch nach, ob die Partnersuche durch die ständige Verfügbarkeit von potenziellen Kandidaten wirklich einfacher geworden ist oder ob der Überfluss an Auswahl die Entscheidung für einen Menschen erschwert. Im Vergleich zu menschlichen Kupplern, die oft auf Intuition und Zwischentöne setzen, bleibt die Maschine ein kühler Rechner, der zwar Fakten abgleicht, aber den magischen Moment des ersten Funkens nicht garantieren kann. Wer heute Abend einschaltet, erfährt nicht nur viel über die Technikgeschichte, sondern blickt auch in einen Spiegel unserer eigenen Sehnsucht nach Effizienz in der intimsten aller Angelegenheiten. Es ist ein packender Bericht über den Versuch, die Liebe zu professionalisieren, ohne dabei ihre Seele zu verlieren.
Die Dokumentation "Der Algorithmus der Liebe" ist auch über die ARTE Mediathek abrufbar.








