"Donna Leon - Wie durch ein dunkles Glas": Brunetti und die giftigen Geheimnisse von Murano heute (17.01.2026) im WDR

© WDR/ARD Degeto/Martin Menke
Inmitten der nächtlichen Industrieästhetik der venezianischen Lagune entfaltet sich heute Abend um 20:15 Uhr im WDR ein besonders atmosphärischer Kriminalfall. Die Wiederholung von "Donna Leon - Wie durch ein dunkles Glas" ist in diesen Tagen von einer traurigen Aktualität geprägt, da der Hauptdarsteller Uwe Kockisch erst vor wenigen Wochen, kurz vor Weihnachten, verstorben ist. In dieser frühen Episode der Erfolgsreihe verkörpert er Commissario Brunetti mit jener ruhigen Präsenz, die ihn über Jahre zum Gesicht der Serie machte. Diesmal führt ihn ein Mordfall auf die Insel Murano, wo der Glasfabrikant Giovanni de Cal tot aufgefunden wurde. Der Fall taucht tief in das traditionsreiche Handwerk der Glasbläser ein, wobei der Film durch eine bemerkenswerte Authentizität besticht: Viele der gezeigten Szenen an den glühenden Öfen sind nicht gestellt, sondern zeigen reale Handwerker bei ihrer harten Arbeit. "Donna Leon - Wie durch ein dunkles Glas" ist auch über die ARD Mediathek abrufbar.
Ein tödliches Erbe und verätzte Seelen
Zunächst gerät der Arbeiter Giorgio Tassini (Andreas Schmidt) ins Visier der Ermittlungen, der seit Jahren im Clinch mit seinem Chef lag. Die Figur basiert lose auf realen Berichten über Glasbläser, die durch den Kontakt mit giftigen Dämpfen schwer erkrankten. Tassini ist überzeugt, dass der jahrelange Umgang mit Arsen sein Erbgut geschädigt und die schwere Krankheit seiner Tochter verursacht hat. Er behauptet, Beweise dafür zu haben, dass die Fabrik ihre Abfälle ungefiltert in die Lagune leitet. Mit diesem Wissen versucht er, die Tochter des Opfers, Assunta de Cal (Katharina Wackernagel), zu erpressen. Doch bevor die Wahrheit ans Licht kommen kann, wird auch Tassini auf dem Firmengelände ermordet. Brunetti steht vor einem Scherbenhaufen aus familiären Konflikten und ökologischen Sünden, wobei der Titel der Folge ein biblisches Motiv aufgreift: Die Wahrheit ist vorhanden, doch man erkennt sie zunächst nur wie durch ein dunkles Glas - verzerrt und unklar.
Gift im Wasser und falsche Freunde
Gemeinsam mit seinem treuen Sergente Lorenzo Vianello (Karl Fischer) begibt sich Brunetti auf eine gefährliche Spurensuche in den schlammigen Kanälen der Lagune. Tatsächlich finden sie die illegalen Abflussrohre, doch die Spur führt nicht allein zur Glasfabrik der de Cals. Der vermeintliche Umweltschützer Gianluca Fasano (Heikko Deutschmann), der direkt nebenan residiert und eng mit Assunta befreundet ist, rückt plötzlich in den Fokus. Brunetti ahnt, dass hinter der Fassade des engagierten Bürgers ein eiskalter Täter steckt, der seine eigenen illegalen Machenschaften mit allen Mitteln schützen will. Die Ermittlungen entwickeln sich zu einem Wettlauf gegen die Zeit, während Vice Questore Patta (Michael Degen) und Signorina Elettra (Annett Renneberg) wie gewohnt auf ihre ganz eigene Art im Hintergrund agieren.
Packende Spannung vor authentischer Kulisse
Diese Episode gilt als eine der visuell stärksten der gesamten Reihe, da sie die raue Seite Venedigs abseits der Touristenströme einfängt. Die Kombination aus familiärer Tragödie, Gier und Umweltkriminalität verleiht dem Film eine besondere Schärfe, auch wenn er die moralische Tiefe der Romanvorlage nicht in jedem Detail erreicht. Uwe Kockisch brilliert hier in einer seiner Paraderollen und zeigt noch einmal, warum er als Brunetti unvergessen bleiben wird. Wenn am Ende die Schlinge um den wahren Mörder enger gezogen wird und Brunetti in letzter Sekunde eingreifen muss, um ein weiteres Opfer zu verhindern, bietet dieser Krimi genau die Mischung aus Lokalkolorit und Spannung, die Millionen Zuschauer lieben. Es ist eine würdige Erinnerung an einen großen Schauspieler und ein faszinierender Einblick in eine Welt, in der hinter glänzendem Glas oft dunkle Abgründe lauern.








