Gummistiefel statt Gesetzbuch: Neues Spin-off der Serie "Die Kanzlei" heute (02.01.2026) in der ARD

© ARD Degeto Film/Georges Pauly
Mit "Die Kanzlei - Weites Land" läuft heute (02.01.2026) ein 90-minbütiges Special der beliebten Anwaltsserie in der ARD. Isabel von Brede (Sabine Postel) und Markus Gellert (Herbert Knaup) tauschen diesmal den Hamburger Asphalt gegen tiefen niedersächsischen Schlamm. Drehbuchautor Thorsten Näter schickt seine beiden eigenwilligen Protagonisten direkt hinein in die rustikale Realität eines abgelegenen Bauernhofs. Die Geschichte nimmt Fahrt auf, als ein missglücktes Wendemanöver der Anwältin, die eigentlich nur auf dem Weg zur Wellnesswoche war, die Landwirtin Gesine Bröker (Johanna Gastdorf) unfreiwillig ins Krankenhaus befördert. Plötzlich sieht sich die kühle Juristin gezwungen, deren Platz zwischen Melkmaschine und Haushalt einzunehmen.
Juristischer Beistand zwischen Stall und Scheune
Die gestresste Kanzleiinhaberin rutscht in dieser Ausnahmesituation fast schon beängstigend schnell in eine Mehrfachrolle als Melkerin, Pflegerin für den dementen Gernot (Norbert Stöß) und Familienmediatorin. Das Dorf begegnet der Fremden aus der Stadt mit tiefem Misstrauen, da die verunglückte Bäuerin im Ort einen schweren Stand hat. Um das Chaos zu bewältigen, rückt schließlich Verstärkung aus Hamburg an: Partner Gellert erscheint mitsamt Tochter Charlie (Mathilde Bundschuh) und Isas Mutter Marion (Marie Anne Fliegel) auf dem Plan. Besonders der Anblick des eitlen Gellert, der nur unter massivem Protest seine feine Garderobe gegen Gummistiefel eintauscht, sorgt für die nötige Prise Humor in der ländlichen Einöde.
Ein tiefsitzender Konflikt unter der Oberfläche
Hinter der Fassade der bäuerlichen Idylle verbirgt sich jedoch ein zerrissener Familienclan. Während die Enkelin Svenja (Johanna Götting) als einzige treu zur Großmutter hält, herrscht zwischen der Tochter Annika (Tinka Fürst), deren Ehemann Sönke (Peter Fieseler) und der verunglückten Gesine eisige Funkstille. Hier kann die Hamburger Menschenkennerin ihre Qualitäten beweisen. Es gilt, alte Wunden zu heilen und die festgefahrenen Fronten aufzuweichen, bevor der Hof und die Familie endgültig auseinanderbrechen. Die malerische Kulisse vor den Toren der Hansestadt dient dabei als Kontrastprogramm zur harten emotionalen Arbeit, die das Team zu leisten hat.
Wenn die Routine den Biss verliert
Trotz der Spielfreude des Ensembles leidet der Film unter einer gewissen dramaturgischen Behäbigkeit, die dem Ganzen den Schwung nimmt. Das Drehbuch versucht zwar, gewichtige Themen wie soziale Isolation und den Generationenkonflikt anzusprechen, bleibt dabei aber oft in schematischen Abläufen hängen. Die Provinzstimmung wirkt bisweilen etwas zu glattpoliert, wodurch die potenzielle Schärfe der Geschichte verloren geht. Am Ende bleibt der Eindruck einer routiniert abgespulten Pflichtübung, die zwar das Herz der Serienfans erwärmt, aber als eigenständiger Fernsehfilm kaum erzählerisches Neuland betritt. Dennoch bietet die Produktion in der ARD solide Unterhaltung für alle, die das Zusammenspiel von Postel und Knaup in ungewohnter Umgebung erleben wollen. "Die Kanzlei - Weites Land" ist auch über die ARD Mediathek abrufbar.








