Neuer Frankfurt-Tatort "Fackel": Hochhausbrand mit 13 Toten wird zum Polit-Thriller - heute (22.03.2026) in der ARD

© HR/ARD Degeto Film/Sommerhaus/Tatiana Vdovenko
Nach zwei Wochen "Polizeiruf 110" dürfen wir uns heute (22.03.2026) endlich wieder auf einen neuen "Tatort" am Sonntagabend in der ARD freuen. Wegen der Rheinland-Pfalz-Wahl fünf Minuten später als gewohnt, wird ab 20:20 Uhr Frankfurt am Main zum Schauplatz eines mörderischen Polit-Thrillers, der die üblichen Tatort-Konventionen mit harter Hand einreißt. Im neuen Frankfurt-Tatort mit dem Titel "Fackel" steht nicht irgendein Mord im Zentrum, sondern ein ungesühntes Trauma der Stadt: Ein verheerender Hochhausbrand, der Jahre zuvor 13 Menschenleben forderte und dessen Wunden bis heute tief klaffen. Dieser Fall markiert den dritten Einsatz für das Ermittlerduo Maryam Azadi (Melika Foroutan) und Hamza Kulina (Edin Hasanovic) und zwingt sie erstmals in ein machtpolitisches Wespennest, in dem Moral nichts und Profit alles zählt. Es geht um billiges Dämmmaterial, gefälschte Gutachten und ein korruptes Geflecht aus Wirtschaft und Politik, das über Leichen geht, um die eigene Weste reinzuwaschen.
Ein privates Inferno und die Schatten der Macht
Die Geschichte bekommt eine hochexplosive, persönliche Note, als Hamza Kulina bei einer Mahnwache auf seine Ex-Freundin Almila Adak (Seyneb Saleh) trifft. Sie hat ihre Mutter in den Flammen des Sozialbaus verloren und weigert sich standhaft, das offizielle Schweigen zu akzeptieren. Während ein Untersuchungsausschuss unter der Leitung von Sandra Schatz (Judith Engel) kläglich zu scheitern droht, führen die Spuren im Frankfurt-Tatort direkt in die Teppichetagen eines Baustoffkonzerns. Stephan Luca verkörpert den Geschäftsführer Steffen Böttcher als aalglatten Gegenspieler, der beste Verbindungen in höchste Regierungskreise pflegt. Hier zeigt der Film seine wahre Schärfe: Er thematisiert das institutionelle Versagen und die strukturelle Kälte, die in Frankfurt selten so gnadenlos als Motiv für das Böse herhalten mussten.
Azadi und Kulina im Fadenkreuz der Elite
Für Maryam Azadi und Hamza Kulina bedeutet dieser Frankfurt-Tatort eine radikale Neupositionierung. Sie agieren nicht mehr nur als Jäger eines isolierten Täters, sondern als Sand im Getriebe eines gewaltigen Apparats. Die Dynamik zwischen der erfahrenen Azadi und dem impulsiven Kulina wird durch die emotionale Nähe zum Brandopfer Almila auf eine harte Probe gestellt. In Nebenrollen beeindrucken Michael Schenk als Christian Möller und Nadja Bobyleva als Andrea Hofer, die das Bild einer Gesellschaft vervollständigen, in der die Kleinen verbrennen und die Großen abkassieren. Der Titel "Fackel" ist dabei Programm: Er beschreibt nicht nur das Flammeninferno der Vergangenheit, sondern auch die entzündete Wut einer Öffentlichkeit, die sich nicht länger mit fadenscheinigen Ausreden abspeisen lassen will.
Ambitionierter Thriller mit politischer Sprengkraft
Regisseurin und Drehbuchautoren legen mit diesem neuen Frankfurt-Tatort ein Werk vor, das sich traut, reale politische Mechanismen der Vertuschung explizit bloßzustellen. Zwar droht der Plot gelegentlich unter der Last der komplexen Vorgeschichte an Tempo zu verlieren, doch die Wucht der Bilder und die Relevanz des Themas tragen den Film über die Distanz. Es ist ein Krimi, der wehtut und der sein Ermittlerteam deutlich politischer positioniert als ihre Vorgänger Janneke und Brix. Auch wenn die Chemie zwischen Azadi und Kulina in diesem harten Umfeld noch ihren endgültigen Rhythmus finden muss, ist "Fackel" ein klares Statement gegen das Vergessen und ein packendes Lehrstück über die dunklen Seiten der Stadtplanung. Am Ende bleibt ein Film, der lange nachhallt und zeigt, dass manche Brände niemals wirklich gelöscht werden können.
Nach Ausstrahlung wird der neue Frankfurt-Tatort "Fackel" auch über die ARD Mediathek abrufbar sein.








