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Wenn die Gerechtigkeit im Dunkeln liegt: Köln-Tatort "Ohnmacht" mit Ballauf und Schenk heute (09.09.2025) im WDR

Dienstag, 09.09.2025 13:27 Uhr | Tags: WDR, Krimi, Tatort, Dietmar Bär, Klaus J. Behrendt

Der WDR wiederholt heute (09.09.2025) um 20:15 Uhr den Köln-Tatort "Ohnmacht", einen Film, der von Beginn an neue Wege beschreitet. Statt eines Mordopfers liegt zu Beginn Kommissar Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) selbst bewusstlos auf den U-Bahn-Gleisen. Dieser Schockmoment dient als Auftakt für einen der persönlichsten und psychologischsten Fälle des Kölner Ermittlerduos, der sich nicht nur mit einem Verbrechen, sondern auch mit der Hilflosigkeit der Justiz und der Suche nach der Wahrheit beschäftigt.

Ein Ermittler zwischen den Fronten

Der Schauplatz des Verbrechens ist die neu gebaute U-Bahn-Station "Rathaus". Ballauf, auf dem Heimweg, schreitet ein, als zwei Jugendliche auf einen am Boden liegenden Mann, den Musikstudenten Manuel Sievers (Nikolai Mohr), einschlagen. Doch die mutige Aktion endet jäh, als ein Schlag ihn zu Boden bringt und er im nächsten Moment auf den Gleisen landet, nur knapp dem Tod unter der einfahrenden U-Bahn entgeht. Obwohl er kaum verletzt ist, leidet er unter einer Amnesie. Da er in diesem Fall als unmittelbarer Tatbetroffener gilt, darf er offiziell nicht ermitteln. An seiner Seite steht jedoch sein Partner Freddy Schenk (Dietmar Bär), der die Untersuchungen zusammen mit der neuen, IT-affinen Kollegin Miriam Häslich (Lucie Heinze) aufnimmt.

Zwischen Gewalt und fehlender Reue

Die Täter, Kai Göhden (Robert Alexander Baer) und Janine Bertram (Nadine Kösters), können zunächst nicht identifiziert werden, weil Überwachungskameras manipuliert wurden. Als sie schließlich gefunden und befragt werden, geben sie an, in Notwehr gehandelt zu haben. Die Ermittler sind schockiert über ihre emotionale Kälte. Trotz der fehlenden Reue müssen die Jugendlichen aufgrund der schwachen Beweislage und der Aussage, Manuel habe Janine belästigt, vorläufig freigelassen werden.

Die Ermittlungen offenbaren eine düstere Familiengeschichte. Während Kais Vater Herbert Göhden (Sebastian Rudolph) über den Kontrollverlust resigniert, lebt Janine in einem von Lügen geprägten Elternhaus, in dem das Familienidyll der Eltern Elisabeth (Corinna Kirchhoff) und Gerolf Bertram (Felix von Manteuffel) nur Fassade ist.

Versteckte Wahrheiten und eine fatale Lüge

Als Ballauf plötzlich in einem Internet-Blog mit einem verleumderischen Kommentar als Urheber der Schlägerei dargestellt wird, nimmt der Fall eine neue Wendung. Der Urheber des Fotos, der Jurastudent Adrian Hamstetten (Sven Gielnik), wird ausfindig gemacht. Es stellt sich heraus, dass er in der Tatnacht mit Kai und Janine zusammen war. Ein wiederhergestelltes Handyvideo enthüllt schließlich die ganze erschütternde Wahrheit: Janine, die die ganze Zeit über ihren Vater beschuldigt, sie sexuell belästigt zu haben - was sich später als frei erfundene Schutzbehauptung herausstellt -, hat die Tat initiiert. Mit einem Abzählreim wählte sie das spätere Opfer und auch Ballauf wurde von ihr auf die Gleise gestoßen.

Der Preis der Ohnmacht

Der Titel "Ohnmacht" spiegelt nicht nur Ballaufs körperliche und psychische Verfassung wider. Er steht auch für die Hilflosigkeit der Ermittler und des Justizsystems angesichts der moralischen Verkommenheit und fehlenden Sühnebereitschaft der Täter. Obwohl Kai (Robert Alexander Baer) in Untersuchungshaft bleibt, werden Janine (Nadine Kösters) und Adrian (Sven Gielnik) bis zu ihrem Prozess wieder freigelassen und es ist nur mit milden Strafen zu rechnen, was bei den Ermittlern für blankes Entsetzen sorgt.

Die Geschichte findet ein tragisches Ende: Gerolf Bertram (Felix von Manteuffel), von den Lügen seiner Tochter gebrochen, entscheidet sich in einem Akt der Selbstjustiz, seine eigene Tochter zu töten.

"Ohnmacht" ist ein mutiger Film, der weniger von klassischer Krimi-Spannung als von psychologischem Tiefgang lebt. Er befasst sich mit ernsten Themen wie Jugendgewalt, den Fallstricken der Justiz und der Frage, wie weit ein Mensch gehen kann, wenn er sich machtlos fühlt. Obwohl einige Charaktere überzeichnet wirken mögen, ist der Film eine fesselnde und nachdenkliche Ausnahme in der Kölner Tatort-Reihe und absolut sehenswert.


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