Goldene Rhythmen und bittere Wahrheiten: Dokumentation "Boney M.: Disco. Macht. Legende" heute (14.05.2026) im NDR

© NDR/Didi Zill
Eine schillernde Zeitreise in die Ära der Plateauschuhe und Discokugeln erwartet die Zuschauer heute (14.05.2026) um 20:15 Uhr im NDR. Mit der Dokumentation "Boney M.: Disco. Macht. Legende" beleuchtet der Sender die unglaubliche Geschichte einer Band, die weit mehr war als nur ein flüchtiges Studioprojekt der siebziger Jahre. Welthits wie "Rivers Of Babylon", "Ma Baker" oder "Rasputin" brannten sich tief in das kollektive Gedächtnis ein und fungierten als der ultimative Soundtrack einer ganzen Generation. Dass die Strahlkraft dieser Musik bis in die Gegenwart reicht, beweisen nicht nur moderne Weltstars wie Lady Gaga, die sich bei den Melodien bedienten, sondern auch Milliarden von Aufrufen auf aktuellen Videoplattformen wie TikTok.
Weltruhm jenseits der Plastikwelt
Trotz eines Absatzes von rund 150 Millionen Tonträgern kämpfte die Formation hierzulande lange gegen das Image der reinen "Retortenmusik" an. Während Boney M. in Deutschland oft als künstliches Produkt belächelt wurden, feierte man sie international als absolute Superstars. In Großbritannien brach die Gruppe Verkaufsrekorde, die über Jahrzehnte Bestand hatten, und im Jahr 1978 schrieben sie sogar politische Geschichte. Als erste westliche Popgruppe überhaupt traten sie in Moskau auf und überwanden damit kulturelle Grenzen, noch bevor andere Größen des Musikbusiness den Weg in den Osten wagten. Die Dokumentation zeigt eindrucksvoll, wie aus der tiefsten deutschen Provinz ein globales Phänomen erwuchs, das sich heute in einer Reihe mit Legenden wie ABBA oder den Bee Gees wiederfindet.
Die Gesichter hinter dem Imperium
Im Zentrum des Films stehen die beiden prägenden Stimmen der Gruppe, die Jamaikanerinnen Liz Mitchell (Liz Mitchell) und Marcia Barrett (Marcia Barrett). Sie gewähren einen ungeschönten Blick hinter die glitzernde Fassade und berichten von ihrem Weg zum Ruhm, der oft von harten ökonomischen Zwängen und persönlichen Opfern gepflastert war. Besonders bewegend sind ihre Schilderungen über den Alltagsrassismus im Deutschland der siebziger Jahre, den sie trotz ihres Status als gefeierte Idole immer wieder am eigenen Leib erfuhren. Es wird deutlich, dass der Preis für den Erfolg hoch war und die Künstlerinnen oft in einem engen Korsett aus Vermarktungsstrategien und fremdbestimmten Identitäten gefangen waren.
Der geniale Kontrollzwang des Frank Farian
Ein wesentlicher Teil des Films widmet sich dem Psychogramm des Produzenten Frank Farian (Frank Farian), der Anfang 2024 verstarb. Er galt als der erfolgreichste deutsche Musikschöpfer aller Zeiten, doch sein Genie hatte eine dunkle Seite. Der Film nutzt exklusiv das letzte große TV-Interview, das Farian vor seinem Tod in Miami gab, um seinen Charakter zu beleuchten. Wegbegleiter wie Thomas Anders (Thomas Anders) oder Sebastian Krumbiegel (Sebastian Krumbiegel) ordnen sein Wirken ein und beschreiben ihn als einen besessenen Visionär, der seinen Schützlingen kaum Raum für Eigenständigkeit ließ. Er war ein Architekt des Erfolgs, der Stars nach seinen Vorstellungen formte, sie dabei jedoch oft als bloße Werkzeuge seiner Hit-Maschinerie betrachtete.
Ein Spiegel gesellschaftlicher Machtverhältnisse
Die Dokumentation "Boney M.: Disco. Macht. Legende" geht jedoch über die bloße Bandgeschichte hinaus und analysiert Boney M. als Spiegelbild ihrer Zeit. Experten wie Prof. Natasha A. Kelly (Natasha A. Kelly) beleuchten kritisch, wie sehr Exotisierung und die Aneignung fremder Traditionen gezielt als Werkzeuge der Vermarktung eingesetzt wurden. Durch bisher unveröffentlichtes Archivmaterial und private Super-8-Aufnahmen des Fotografen Didi Zill (Didi Zill) entsteht ein vielschichtiges Bild einer Industrie, die Träume erschafft und Menschen gleichzeitig verschleißt. So bleibt am Ende des Abends nicht nur der Klang der unvergesslichen Hits im Ohr, sondern auch die Erkenntnis über die komplexe Mechanik hinter der Macht der Popmusik.
Die Dokumentation "Boney M.: Disco. Macht. Legende" ist auch über die ARD Mediathek abrufbar (verfügbar bis zum 11.05.2027).








