Vom Spott der Provinz zum Glanz der Reeperbahn: Eventfilm "Olivia" heute (13.05.2026) im ZDF

© ZDF/Bjørn Haneld
Das ZDF zeigt heute (13.05.2026) um 20:15 Uhr den Eventfilm "Olivia" und widmet sich damit der Lebensgeschichte von Oliver Knöbel (Johannes Hegemann), der als junger Mann die Enge seiner niedersächsischen Heimat Springe verließ. In Hamburg wurde er als Olivia Jones zur bekanntesten Travestieikone Deutschlands. Basierend auf der Autobiografie "Ungeschminkt" zeichnet das Werk ein ungeschöntes Bild eines Aufstiegs, der von massiver Ablehnung, Mobbing und körperlicher Gewalt geprägt war. Dabei gelingt es der Produktion, weit über ein bloßes Promi-Porträt hinauszugehen und stattdessen ein Zeitbild der deutschen Gesellschaft von den achtziger Jahren bis in die Gegenwart zu entwerfen.
Ein schmerzhafter Weg zur Selbstfindung
Der Aufbruch in die Freiheit beginnt für den jungen Oliver (Arian Wegener) mit tiefen Wunden, da seine Vorliebe für Frauenkleider in der Provinz auf blanken Hass stößt. Besonders die Beziehung zu seiner Mutter Evelin Knöbel (Annette Frier) bildet den emotionalen Kern des Films, da sie zunächst mit Scham und Härte auf die Andersartigkeit ihres Sohnes reagiert. Annette Frier verleiht dieser Rolle eine bemerkenswerte Tiefe, indem sie den mühsamen Prozess der späteren Annäherung glaubhaft verkörpert. Johannes Hegemann wiederum liefert in der Hauptrolle eine vielschichtige Leistung ab, die bewusst auf eine bloße Imitation der bekannten Kunstfigur verzichtet. Durch den engen Austausch mit der echten Olivia Jones konnte er eine Figur entwickeln, die trotz aller Extravaganz zutiefst nahbar und verletzlich bleibt.
Durchbruch im Herzen von St. Pauli
In Hamburg angekommen, endet der Kampf um Akzeptanz für Oliver jedoch nicht sofort, denn die ersten Jahre auf dem Kiez sind von bitterer Armut und Ausgrenzung gezeichnet. Erst durch seinen unerschütterlichen Witz und die Unterstützung treuer Weggefährten wie Marlene Stelling (Angelina Häntsch) gelingt es ihm, sich in der harten Welt der Nachtunterhaltung zu behaupten. Ein Wendepunkt markiert den Moment, in dem Olivia Jones schließlich im Schmidt Theater bei der legendären Lilo Wanders (Stephan Kampwirth) Gehör findet. Schritt für Schritt wandelt sich die verfolgte Außenseiterin zur selbstbewussten Entertainerin und Kiez-Gastronomin, die heute als lautstarke Stimme für Vielfalt und Toleranz aus der öffentlichen Wahrnehmung nicht mehr wegzudenken ist.
Ein versöhnliches Finale der Gefühle
Jahre des Schweigens und der Distanz müssen vergehen, bis auch die familiären Brüche im Hause Knöbel heilen können. Der Film zeigt eindrucksvoll, wie Evelin Knöbel schließlich den Mut aufbringt, nach St. Pauli zu reisen, um ihren Sohn so zu akzeptieren, wie er ist - und damit letztlich eine Tochter zu gewinnen. Unter der Regie erfahrener Filmemacher ist mit "Olivia" ein Werk entstanden, das ohne unnötigen Kitsch zeigt, wie viel Schmerz hinter der bunten Fassade der berühmten Dragqueen steckt. Es ist die Geschichte einer Selbstbehauptung, die beweist, dass Humor und Durchhaltevermögen die stärksten Waffen gegen Intoleranz sind. Wer am Abend einschaltet, erlebt eine Reise, die zeigt, dass Heimat kein Ort, sondern ein Zustand der Akzeptanz ist.
Der Eventfilm "Olivia" ist auch über die ZDF Mediathek abrufbar (verfügbar bis zum 05.05.2027).








