Großer Lausbubengeschichten-Abend mit Hansi Kraus als Lausbub Ludwig heute (24.01.2026) im SWR

© SWR/ARD Degeto
Bayerische Gemütlichkeit, schlagfertiger Witz und eine ordentliche Portion Anarchie halten heute (24.01.2026) Einzug in die Wohnzimmer, wenn der SWR zu einem Marathon der besonderen Art einlädt. Ab 20:15 Uhr dreht sich alles um den wohl berühmtesten Bengel der deutschen Filmgeschichte: Ludwig Thoma. In einer Zeit, in der das Fernsehen oft von technischer Perfektion und unterkühlter Action dominiert wird, wirkt dieser Abend wie eine herzliche Einladung in eine Welt, in der ein gut platzierter Tintenklecks im Weihwasserbecken noch die Grundfeste der Gesellschaft erschüttern konnte. Hansi Kraus verkörpert diesen bayerischen Freigeist mit einer Natürlichkeit, die bis heute ihresgleichen sucht. Wer sich auf diese filmische Zeitreise einlässt, bekommt nicht nur drei Klassiker serviert, sondern eine Liebeserklärung an den Widerstand gegen die Obrigkeit und die verstaubte Moral der Kaiserzeit.
Teil 1: "Lausbubengeschichten"
Alles beginnt im Jahr 1964 mit dem Auftakt einer Reihe, die das Lebensgefühl des alten Bayerns perfekt konserviert hat. Die Rahmenhandlung führt uns direkt zum Kern der Sache: Selbst ein strenger Pfarrer kann sich dem Charme von Thomas Erzählungen nicht entziehen und liest das eigentlich verbotene Buch heimlich im Pfarrhaus. Wir landen im fiktiven Gamsting des Jahres 1886, kurz nach dem Tod des Märchenkönigs Ludwig II. Hier treibt der junge Ludwig Thoma seine Späße, sehr zum Leidwesen seiner besorgten Mutter Therese. Ob hochnäsige Preußen wie der Geheimrat Bischof, der frömmelnde Religionslehrer Falkenberg oder der ewig nörgelnde Hauptmann a. D. Semmelmaier - niemand ist vor Ludwigs Einfällen sicher. Es ist ein herrlicher Kampf gegen die Selbstgefälligkeit der Erwachsenenwelt. Einzig sein Onkel Josef Filser, der Landtagsabgeordnete, zeigt echtes Verständnis für den Jungen. In diesem ersten Teil wird das Fundament für eine Figur gelegt, die nicht aus Bosheit handelt, sondern aus einem tiefen Gespür für die Lächerlichkeit von Autoritäten.
Teil 2: "Tante Frieda - Neue Lausbubengeschichten"
Nachdem Ludwig im ersten Teil seine Grenzen ausgetestet hat, legt die Fortsetzung um 21:55 Uhr noch eine Schippe drauf. Um dem ungeliebten Internat zu entfliehen, schreckt er nicht einmal davor zurück, dem schlafenden Semmelmaier den Bart abzuschneiden. Zurück in der Heimat steht die Hochzeit seiner Schwester Ännchen an, doch die feierliche Stimmung wird durch das Auftauchen der ungeliebten Tante Frieda getrübt. Ludwig nutzt die Festivitäten für seine ganz eigene Art der Unterhaltung: Er animiert den Musterschüler Max zum Trinken, bis dieser lallend sein Gedicht vorträgt, und platziert Igel in den Betten des Brautpaars. Besonders köstlich ist die Verwechslung beim Fensterln, bei der ein Rittmeister dank Ludwigs Manipulation nicht bei der schönen Cora, sondern im Gemach der entsetzten Tante Frieda landet. Als dem Jungen schließlich die Einweisung in eine Besserungsanstalt droht, ist es ausgerechnet der Prinzregent Luitpold persönlich, der Gnade vor Recht ergehen lässt und damit beweist, dass selbst die höchste Instanz des Staates ein Herz für echte Lausbuben hat.
Teil 3: "Onkel Filser - Allerneueste Lausbubengeschichten"
Den krönenden Abschluss bildet um 23:20 Uhr der dritte Teil, der uns nach München und zurück in den Kampf um Heim und Hof führt. Ludwig muss erneut die Schule wechseln und kommt bei seinem Onkel Filser in der Landeshauptstadt unter. Doch die wahre Herausforderung wartet daheim in Gamsting: Ein herrschsüchtiger Bezirksamtmann will die Witwe Thoma aus ihrem Haus vertreiben. Ludwig, der die Tränenspuren auf den Briefen seiner Mutter sieht, fackelt nicht lange. Mit einer Ladung Reptilien und Frösche bewaffnet, verwandelt er das Dienstzimmer des Amtmanns in ein Sumpfgebiet. Der absolute Höhepunkt ist jedoch die Sabotage eines moralisch fragwürdigen Denkmals, das Ludwig mit Hilfe des Kaplans entstellt. Wenn am Ende der Prinzregent erscheint und der böswillige Beamte der Lächerlichkeit preisgegeben wird, ist die Gerechtigkeit im bayerischen Sinne wiederhergestellt. Mit der Taufe der nächsten Generation von "Ludwigs" endet der Abend und hinterlässt das Gefühl, dass dieser Geist der Rebellion niemals ganz aussterben wird.
Bleibt die Frage, ob man sich diese alten Schinken im Jahr 2026 überhaupt noch ansehen kann. Sind diese Filme mehr als nur nostalgischer Kitsch für eine Generation, die sich nach der guten alten Zeit sehnt? Tatsächlich steckt in den Lausbubengeschichten ein zeitloser Kern, der weit über die bayerische Mundart hinausgeht. In einer Gesellschaft, die heute oft von einer neuen Art der moralischen Strenge und einer fast schon klinischen Korrektheit geprägt ist, wirkt Ludwigs Anarchie wie eine Frischzellenkur. Wir schauen diese Filme vielleicht gerade deshalb, weil wir die Fähigkeit verloren haben, über uns selbst zu lachen. Ludwig Thoma hielt der Gesellschaft den Spiegel vor, indem er zeigte, dass hinter jeder steifen Uniform und jeder frommen Fassade auch nur ein Mensch mit Fehlern steckt. Solange es Menschen gibt, die sich über andere erheben wollen, braucht es Lausbuben, die ihnen die Leiter ans falsche Fenster stellen. Es ist kein plumper Humor, sondern eine feinsinnige Feier des Eigensinns, die uns daran erinnert, dass ein bisschen Ungehorsam manchmal die einzige vernünftige Reaktion auf eine unvernünftige Welt ist.









