Der Mörder wohnt schon hier: Kiel-Tatort "Borowski und der stille Gast" heute (31.08.2025) in der ARD

© NDR/Marion von der Mehden
Wenn die Sommerpause des "Tatort" kein Ende nehmen will, greift die ARD auf wahre Juwelen zurück. Heute (31.08.2025) um 20:15 Uhr ist es wieder so weit: Der packende Kiel-Tatort "Borowski und der stille Gast" flimmert erneut über die Mattscheibe. Dieser Fall ist kein gewöhnlicher Krimi, sondern ein Meisterwerk des psychologischen Horrors, das mit seiner beklemmenden Atmosphäre und einem unvergesslichen Bösewicht fesselt. Dieser Tatort verzichtet bewusst auf die klassische "Whodunit"-Frage; der Täter ist von Anfang an bekannt. Das Grauen entsteht nicht durch die Suche nach ihm, sondern durch seine beunruhigende Nähe, seine perfide Art der Manipulation und die beklemmende Tatsache, dass er überall sein kann, ohne gesehen zu werden.
Ein perfides Spiel der Unsichtbarkeit
Der Tatort beginnt mit einem Schock, der das Publikum sofort in seinen Bann zieht: Eine Frau ruft die Polizei an, weil sich jemand in ihrer Wohnung befinden soll, doch jede Hilfe kommt zu spät. Das Opfer, Carmen Kessler, wird grausam ermordet aufgefunden, und die Ermittler Klaus Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) stehen vor einem Rätsel. Es gibt keine Einbruchsspuren, die Tür war verriegelt, und doch hat sich der Mörder bei seinem Opfer eingenistet. Er hat in ihrer Wohnung gelebt, sie beobachtet, ihr heimlich Geschenke gemacht und jeden ihrer Schritte studiert. Dieser "stille Gast", Kai Korthals (Lars Eidinger), ist ein Meister der Tarnung und der Manipulation. Lars Eidingers Darbietung ist so intensiv und verstörend, dass sie den Vergleich mit Hollywood-Gruselrollen nicht scheuen muss. Er ist kein lauter, brutaler Killer, sondern eine kalte, berechnende Präsenz, die unter die Haut geht. Man könnte sagen: Wer braucht Paul Dano als Riddler, wenn man Eidinger hat?
Wenn die Grenze zwischen Täter und Opfer verschwimmt
Was diesen Fall so besonders macht, ist, dass er die Grenze zwischen Jäger und Gejagtem verschwimmen lässt. Nach seinem ersten Mord hat der "stille Gast" bereits ein neues Ziel vor Augen: Kommissaranwärterin Sarah Brandt, die erst in ihrem dritten Fall ist. Korthals dringt nicht nur in ihre Privatsphäre ein, indem er ihre Adresse und ihre Krankheitsgeschichte (Epilepsie) herausfindet, er beginnt auch ein verstörendes Spiel mit ihr. Er verfolgt sie, schleicht sich in ihre Wohnung und hinterlässt subtile Spuren, die sie an ihrem eigenen Verstand zweifeln lassen. Die Spannung erreicht ihren Höhepunkt, als er in ihre Polizeizelle eindringt, um ihr das vergessene Medikament zu bringen. Es ist diese verstörende Mischung aus Bedrohung und vermeintlicher Fürsorge, die diesen "Tatort" so einzigartig macht und den Zuschauer in einen Abgrund aus Angst und Unsicherheit blicken lässt.
Ein Meilenstein mit Hollywood-Flair
Unter der Regie von Christian Alvart, bekannt für düstere Thriller wie "Antikörper" und "Pandorum", wird die Episode zu einem stilistischen Highlight. Alvart inszeniert den Fall mit einer beklemmenden Atmosphäre, die durch eine unaufhaltsam steigende Spannung und verstörende Bilder verstärkt wird. Der Film endet nicht mit der klassischen Festnahme. Stattdessen gibt es einen Paukenschlag, der die Fans bis heute beschäftigt: Korthals kann entkommen und taucht später in einem seltenen Beispiel eines wiederkehrenden Täters im "Tatort"-Universum noch einmal auf. Mit "Borowski und der stille Gast" kehrt heute Abend ein echter Meilenstein auf die Bildschirme zurück - ein Psychothriller, der das Genre neu definierte und eine der faszinierendsten und furchteinflößendsten Figuren der deutschen Fernsehlandschaft schuf.