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Die Frau, die Josef war: Adele Neuhauser glänzt im Drama "Ungeschminkt" heute (04.03.2026) in der ARD

Mittwoch, 04.03.2026 10:07 Uhr | Tags: ARD, Drama, Adele Neuhauser

Die ARD zeigt heute (04.03.2026) um 20:15 Uhr mit dem Fernsehfilm "Ungeschminkt" ein zutiefst bewegendes Stück Lebensgeschichte, das weit über herkömmliche Trans-Thematiken hinausgeht. Im Zentrum steht Josefa Beckmann, die vor 35 Jahren als Josef Gschwendt ihr bayerisches Heimatdorf im Zorn verließ und nun nach dem Tod ihrer Mutter als Alleinerbin zurückkehrt. Adele Neuhauser wurde die Rolle der Josefa förmlich auf den Leib geschrieben, da Regisseur Dirk Kummer eine Darstellerin suchte, die das seltene Talent besitzt, Härte, tiefste Verletzlichkeit und einen trockenen Humor in einer einzigen Figur zu vereinen. Es ist keine klassische Coming‑out‑Story, die hier erzählt wird, sondern ein erwachsenes Drama über verpasste Chancen, alte Schuldgefühle und die schmerzhafte Konfrontation mit der eigenen Vergangenheit.

Ein Dorf als emotionaler Speicher

Der alte elterliche Hof fungiert in diesem Film nicht nur als Kulisse, sondern als eine Art emotionaler Speicher, der Josefa zwingt, sich den Geistern ihrer Jugend zu stellen. Besonders die Begegnung mit ihrer früheren Ehefrau Petra (Eva Mattes) wird zur Zerreißprobe. Damals, als das Gesetz transidente Personen noch zur Scheidung zwang, schickte Josefa die Unterlagen wort‑ und erklärungslos zurück, um alle Brücken abzubrechen. Die Produktion arbeitet dabei meisterhaft mit Rückblenden, für die ein eigener Cast verpflichtet wurde. Die jungen Versionen der Charaktere, wie etwa der junge Josef (Riccardo Campione), sind in ihrer Körpersprache so präzise auf die älteren Darsteller abgestimmt, dass die Zeitsprünge eine enorme erzählerische Wucht entfalten. Man begreift als Zuschauer sofort, wie tief die Gräben sind, die damals nach einem fatalen Streit auf einem Kostümfest und dem darauffolgenden Treppensturz des Vaters aufgerissen wurden.

Stille Begleiter und späte Wahrheiten

An Josefas Seite finden sich Figuren, die den Prozess der Heimkehr auf unterschiedliche Weise flankieren. Ulrich Noethen spielt den Jugendfreund Blume, der heute mit Petra liiert ist, nicht als klassischen Widersacher, sondern als einen stillen, fast neugierigen Beobachter. Er stellt die Fragen, die vor drei Jahrzehnten niemand zu stellen wagte, und nimmt Josefa trotz der langen Funkstille herzlich auf. Unterstützung erhält sie zudem von ihrer Freundin Antonia (Hayal Kaya), die ihr aus der Stadt nachreist, während Josefas Ehemann Magnus (Matthias Matschke) mit der Wucht dieser dörflichen Vergangenheit sichtlich fremdelt. Das Drama "Ungeschminkt" verzichtet dabei konsequent auf melodramatische Übersteuerungen und lässt stattdessen die Blicke und das Ungesagte zwischen den Akteuren wirken.

Die Entdeckung einer verschwiegenen Familie

Der emotionale Höhepunkt entfaltet sich, als Josefa durch einen Zufall erfährt, dass Petra ihr über all die Jahre ein gewaltiges Geheimnis verschwiegen hat: Sie hat einen gemeinsamen Sohn namens Jakob (Florian Jahr) und sogar eine Enkeltochter. Die Erkenntnis, dass sie nicht nur eine Vergangenheit in Distlfing hat, sondern dort auch eine Zukunft existiert, verändert alles. Wenn die kleine Billy (Greta Perone) am Ende feststellt, dass sie nun eben zwei Großmütter hat, bricht das Eis der Jahrzehnte auf eine entwaffnend einfache Weise. "Ungeschminkt" ist ein leises, aber ungemein kraftvolles Drama, das durch seine präzise Erzählweise und ein herausragendes Ensemble besticht. Es ist ein Film über die Freiheit, man selbst zu sein, und den hohen Preis, den man manchmal für diese Wahrheit zahlen muss.

Der Fernsehfilm "Ungeschminkt" ist auch über die ARD Mediathek abrufbar.


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