Happy-Spots - Mein Online Magazin

Identitätsschwindel und Liebeschaos: Rossinis turbulente Verwechslungskomödie "Gelegenheit macht Diebe" heute (18.04.2026) auf 3sat

Samstag, 18.04.2026 14:44 Uhr | Tags: 3sat, Komödie

Das MusikTheater an der Wien bringt am heute Abend (18.04.2026) um 20:15 Uhr einen besonderen musikalischen Leckerbissen auf den Bildschirm, wenn 3sat die Auszeichnung von Gioachino Rossinis Einakter "Gelegenheit macht Diebe" aus der Kammeroper ausstrahlt. In diesem frühen Meisterwerk des italienischen Komponisten dreht sich alles um die Frage, wie viel ein Name oder ein schicker Anzug eigentlich über den Kern eines Menschen aussagt. Was als zufälliges Missgeschick während eines Unwetters beginnt, entwickelt sich rasant zu einer doppelten Verwechslungskomödie, in der am Ende nur derjenige das Glück findet, der bereit ist, hinter die Fassade des Gegenübers zu blicken. Unter der Leitung von Pedro Beriso bringt das Wiener KammerOrchester Rossinis spritzige Partitur mit einer Energie zum Klingen, die den Zuschauer sofort in den Bann zieht.

Ein herrenloser Koffer und seine Folgen

Die Geschichte nimmt ihren Lauf, als Graf Alberto (Alberto Robert) in einem heftigen Gewitter seinen Koffer verliert. Der Finder Don Parmenione (Roberto Lorenzi) ist jedoch kein ehrlicher Finder, sondern lässt sich von der Gunst der Stunde verführen. Als er im Gepäck des Grafen das Porträt der schönen Berenice entdeckt, beschließt er kurzerhand, die Identität des rechtmäßigen Besitzers anzunehmen. In fremden Kleidern macht er der Braut seine Aufwartung, ohne zu wissen, dass Berenice (Inna Demenkova) längst ihren eigenen Plan verfolgt. Da sie ihren unbekannten Verlobten zunächst inkognito prüfen will, hat sie die Rollen mit ihrer Freundin Ernestina (Petra Radulovic) getauscht. So trifft ein Hochstapler auf eine vermeintliche Dienerin, während der echte, völlig verzweifelte Graf Alberto eintrifft und sich ausgerechnet in die Frau verliebt, die er für die Freundin seiner Braut hält.

Musikalische Virtuosität und szenische Lichtgewalt

Rossini hat mit "L’occasione fa il ladro" im Jahr 1812 ein Werk geschaffen, das bereits alle Merkmale seiner späteren Welterfolge in sich trägt. Besonders beeindruckend ist die Gewittermusik zu Beginn der Oper, die in dieser Produktion der Kammeroper durch imposante Lichteffekte visuell unterstützt wird und die bedrohliche, aber auch reinigende Kraft des Unwetters spürbar macht. Die Partitur fordert den Sängern alles ab: Von Inna Demenkova als Berenice bis hin zu Lazar Parežanin als Martino glänzt das Ensemble mit virtuosen Arien und rasanten Ensemblesätzen, die keine Atempause lassen. Das Wiener KammerOrchester setzt dabei die witzigen Instrumentaleffekte präzise um und sorgt dafür, dass der musikalische Scherz nie an Leichtigkeit verliert.

Identitätsdiebstahl als gesellschaftliches Spiel

Hinter der turbulenten und amüsanten Fassade der Handlung verbirgt Rossini geschickt tiefgreifende Fragen über das soziale Rollenspiel. Es geht um Identitätsdiebstahl und die Maskeraden, die Menschen im gesellschaftlichen Miteinander aufrechterhalten, um Erwartungen zu erfüllen oder sich Vorteile zu verschaffen. Im Gegensatz zu Mozart in "Così fan tutte" gehen die Verwechslungen hier noch einen Schritt weiter, da beide Geschlechter gleichermaßen in das falsche Spiel verwickelt sind. Die Suche nach der wahren Liebe wird so zu einer Suche nach dem eigenen Ich, die erst dann erfolgreich ist, wenn alle Masken fallen. Wer Rossinis Genie in einer kompakten, spielfreudigen Inszenierung erleben möchte, sollte sich diese Aufführung aus der Wiener Kammeroper heute Abend nicht entgehen lassen.

Rossinis "Gelegenheit macht Diebe" ist auch über die 3sat Mediathek abrufbar.


Das könnte Sie auch interessieren

(DJD). Erst färben sich die Bäume bunt, später überziehen glitzernde Eiskristalle das Schilf am Ufer, und mit den ersten Sonnenstrahlen verzieht sich der Frühnebel von der spiegelglatten Wasserfläche: Am Bodensee ist die kühle Jahreszeit wie geschaffen, um in der Natur zur Ruhe zu kommen. Zwischen Lindau und Bodman-Ludwigshafen gibt es abwechslungsreiche... weiterlesen

Wenn die Tage kürzer werden und die ersten kalten Winde durch die Straßen wehen, verlagert sich das Leben nach drinnen. Wir sehnen uns nach Geborgenheit, sanftem Licht und diesem unnachahmlichen Hygge-Gefühl, das die dunkle Jahreszeit so magisch macht. Ein Deko-Element hat sich dabei in den letzten Jahren vom nostalgischen Klassiker zum absoluten Trendobjekt entwickelt: der... weiterlesen

Die Tage werden kürzer, die Kerzen brennen öfter und die Frage stellt sich: Welcher Adventskalender versüßt uns in diesem Jahr eigentlich die Wartezeit bis Weihnachten? Wer glaubt, Schokoladen-Kalender wären nur etwas für Kinder, irrt gewaltig. Die Auswahl reicht längst vom nostalgischen Supermarkt-Klassiker bis hin zur edlen Bio-Manufaktur-Praline. ... weiterlesen

(DJD). Autos fahren elektrisch, Windräder liefern grünen Strom und Künstliche Intelligenz gehört zum Alltag: Unsere Welt wird immer digitaler, vernetzter und elektrischer. Fast könnte man meinen, sie werde dabei immateriell. Doch im Hintergrund sorgt ein echter Superheld dafür, dass all das funktioniert: Kupfer. Unscheinbar, rötlich schimmernd und seit... weiterlesen