Mord im Atelier: Polizeiruf 110 "Heißkalte Liebe" mit Schmücke und Schneider heute (23.03.2026) im MDR

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Mit der Wiederholung des Polizeiruf 110 "Heißkalte Liebe" entführt der MDR heute (23.03.2026) um 20:15 Uhr sein Publikum in eine Ära, die für die Ermittler Herbert Schmücke (Jaecki Schwarz) und Herbert Schneider (Wolfgang Winkler) noch in den Kinderschuhen steckte. Es handelt sich um einen der frühesten Fälle des Kult‑Duos aus Halle, der sie in ein für die damalige Zeit eher untypisches Milieu führt: die glitzernde, aber moralisch höchst brüchige Kunstszene. Im Zentrum des Geschehens steht der gewaltsame Tod der jungen Studentin Verena Weißenborn, verkörpert von einer damals erst 28‑jährigen Mariella Ahrens (Mariella Ahrens). Obwohl sie nur wenige Minuten Leinwandzeit hat, legte diese Rolle den Grundstein für ihre spätere Bekanntheit beim breiten Publikum. Die Episode gilt unter Kennern als einer der klassischsten Fälle aus Halle, da sie meisterhaft zeigt, wie eine kultivierte Oberfläche unter dem Druck von Eifersucht und Machtgier langsam zerbröckelt.
Ein Professor zwischen den Stühlen und im Visier
Der Fall beginnt grausam mit einer in die Badewanne geworfenen Höhensonne, die der jungen Künstlerin zum Verhängnis wird. Bei der anschließenden Obduktion durch Dr. Klaus Piepe (Klaus-Jürgen Steinmann) stellt sich zudem heraus, dass das Opfer im dritten Monat schwanger war, was die Ermittlungen sofort auf die Suche nach dem Vater und einem möglichen Motiv konzentriert. Ein entscheidender Hinweis der Eltern führt die Kommissare zu Professor Paulus (Peter Gavajda), einem Akademiker, der für seine Affären mit Studentinnen berüchtigt ist. Dass hier ein Professor als potenzieller Tätertyp auftaucht, hebt die Folge bis heute von vielen anderen Episoden der Reihe ab. Schmücke und Schneider agieren dabei in einer Weise, die später ikonisch für ihr Zusammenspiel werden sollte: Während Schmücke empathisch und vorsichtig die psychologischen Hintergründe abklopft, zeigt sich Schneider deutlich direkter und misstrauischer gegenüber dem akademischen Umfeld.
Falsche Fährten und eine fatale Verzweiflungstat
Während die Presse, befeuert durch anonyme Hinweise an eine Journalistin (Tatjana Blacher), den Skandal um Professor Paulus ausschlachtet, geraten weitere Verdächtige in den Fokus. Sowohl die eifersüchtige Mitstudentin Sabrina Pohl (Patricia Schäfer) als auch Verenas Vater Peter Weißenborn (Klaus-Peter Thiele) hätten Gründe gehabt, die junge Frau zu hassen oder den Professor zu belasten. Die Situation eskaliert tragisch, als Peter Weißenborn dabei ertappt wird, wie er das Auto des Professors anzündet. Nach seiner Verhaftung sieht er keinen anderen Ausweg mehr und erhängt sich in seiner Zelle, da er den dringenden Tatverdacht gegen seine Person nicht ertragen kann. Doch Schmücke lässt sich von diesem scheinbaren Geständnis durch Suizid nicht blenden und folgt einer Spur, die tief in die verletzte Seele eines Mitstudenten führt.
Finale Konfrontation mit einem Psychopathen
Die Hartnäckigkeit der Ermittler zahlt sich schließlich aus, als sie Dirk Raabe (René Steinke) aufsuchen. In einem hochspannenden Finale entpuppt sich der junge Mann als eiskalter Psychopath, der sich in seiner vermeintlichen Sicherheit so sehr wiegt, dass er einen entscheidenden Fehler in seiner Aussage macht. Als er merkt, dass er überführt ist, versucht er verzweifelt, Schneider als Geisel zu nehmen, was Schmücke dazu zwingt, von seiner Dienstwaffe Gebrauch zu machen. Es stellt sich heraus, dass Raabes unkontrollierte Liebe zu Verena und der Umstand, dass sie ihm ein Kind des Professors unterschieben wollte, den mörderischen Rachefeldzug auslösten. Der Polizeiruf 110 "Heißkalte Liebe" nutzt das Kunsthochschulmilieu für einen Fall, der leise beginnt, aber durch das kalte Machtgefälle hinter den Kulissen eine spürbare moralische Spannung entwickelt. Auch wenn der Plot stellenweise vorhersehbar bleibt, besticht die Folge durch ihren fast dokumentarischen Ton und die glaubwürdige Atmosphäre des alten Halle.








