Tödliche Pinselstriche: Schmücke und Schneider jagen im "Polizeiruf 110" heute (20.04.2026) "Die falsche Sonja"

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Ein dramatischer Tankstellenüberfall bildet heute (20.04.2026) um 20:15 Uhr im MDR den Auftakt zu einem Fall, der das Ermittlerduo Schmücke (Jaecki Schwarz) und Schneider (Wolfgang Winkler) an die Grenzen zwischen Kunstwelt und krimineller Gosse führt. In der Wiederholung des Polizeiruf 110 "Die falsche Sonja" geraten die Kommissare in ein hochexplosives Geflecht aus Zeugenschutzversagen und finanzieller Not. Im Mittelpunkt steht der Restaurator Jens Dallmann (Peter Weiß), der unfreiwillig zum wichtigsten Zeugen eines Doppelmordes wird. Während die Beamten versuchen, ein Phantombild des Täters zu erstellen, ahnen sie noch nicht, dass die wahre Gefahr für ihren Zeugen längst in seinem eigenen Atelier lauert. Es ist einer dieser typischen Halle-Fälle, in denen das soziale Milieu der Nachwendezeit das eigentliche Gift ist, das die Handlung vorantreibt.
Das Bild als Fluch und Hoffnung
Jens Dallmann träumt von einer gemeinsamen Zukunft mit seiner Freundin Katrin Kreuzer (Kathrin Waligura), doch die Realität in seinem Atelier sieht düster aus. Um das Geld für ein eigenes Café zusammenzukratzen, lässt er sich auf ein gefährliches Spiel mit dem Bauunternehmer Hans Schlüter (Gerd Preusche) ein. Er reinigt nicht nur das wertvolle Ölgemälde "Sonja", sondern fertigt auftragsgemäß eine perfekte Kopie an - ein klassischer MacGuffin, der eine Kette fataler Ereignisse auslöst. Als Dallmann aus moralischen Skrupeln die Fälschung nicht aushändigen will, bricht ein heftiger Streit zwischen ihm und Katrin aus, die das Bild als einzige Chance auf ein besseres Leben sieht. Diese wirtschaftliche Ausweglosigkeit verleiht der Folge eine beklemmende Authentizität.
Wenn der Zeuge zum Opfer wird
Die Katastrophe nimmt ihren Lauf, als Dallmann kurz nach dem Verhör bei der Polizei leblos im Hinterhof aufgefunden wird. War es ein Sturz im Affekt während des Beziehungsstreits oder hat ihn die Vergangenheit an der Tankstelle eingeholt? Die Ermittler stehen vor einem Trümmerhaufen: Schmücke muss sich Vorwürfe von Katrin gefallen lassen, die Polizei habe ihren Freund nicht ausreichend geschützt. Tatsächlich finden sich am Tatort Einschüsse, die eine Verbindung zum Raubmord nahelegen. Die Mischung aus klassischem Whodunit und einem kunstfälscherischen Komplott mag auf den ersten Blick ungewöhnlich wirken, doch sie zeigt die psychologische Wucht, wenn Zeugen plötzlich selbst zum Ziel werden. Das Team muss nun die Verbindung zwischen dem Bauunternehmer und dessen Sohn Oswaldt (Armin Marewski) entwirren.
Ein Krimi zwischen den Genres
Kritiker bemängelten an "Die falsche Sonja" gelegentlich, dass die verschiedenen Erzählstränge etwas konstruiert wirken, doch gerade das Zusammenspiel von Kleinstadtintrige und krimineller Energie macht den Reiz dieser Wiederholung aus. Der Film verzichtet auf übertriebene Action und setzt stattdessen auf die Atmosphäre eines Halle, das sich im Umbruch befindet. Während die Ermittler zunächst den Vater im Visier haben, führt die Spur schließlich zum Sohn, der eine weitaus dunklere Seite verbirgt, als es der Schein der Kunstwelt vermuten lässt. In weiteren Rollen glänzen zudem Marita Böhme als Edith Reger und Jessica Stockmann als Vera Schlüter. Wer Lust auf einen geerdeten Krimi hat, sollte sich diesen Klassiker heute Abend nicht entgehen lassen.








