Wenn die Justiz die Augen verschließt: "Die Chefin" gegen die Mächtigen - "Blutschuld" heute (02.01.2026) im ZDF

© ZDF/Michael Marhoffer
Ein neunjähriger Junge ist verschwunden, die Zeit läuft ab, und die Polizei stürmt eine Wohnung, in der sie nur noch eine Leiche findet. Zum Auftakt der neuen Staffel der ZDF Freitagskrimi-Reihe "Die Chefin" heute Abend (02.01.2026) um 20:15 Uhr bekommt es die Hauptkommissarin in der Episode "Blutschuld" mit einem Fall zu tun, der weit über eine gewöhnliche Entführung hinausgeht. Vera Lanz (Katharina Böhm) steht vor den Trümmern einer Befreiungsaktion, als der mutmaßliche Entführer Uwe Schäfer (Nikolai Mohr) tot aufgefunden wird. Während Dr. Sebastian Hartmann (Christian Hockenbrink) schnell von einem Selbstmord ausgeht, rührt sich in der Ermittlerin sofort massiver Widerstand gegen diese allzu bequeme Theorie.
Mordermittlung unter staatlichem Verschluss
Vera Lanz lässt sich nicht so leicht abspeisen und beginnt, die Hintergründe des Toten zu durchleuchten, der erst vor Kurzem aus dem Gefängnis entlassen wurde. Es stellt sich die brisante Frage, ob Schäfer überhaupt der Täter war, oder ob er Beatrice von Murrer (Susanne Wuest), der Mutter des entführten Alexander, lediglich seine Hilfe angeboten hatte. Doch bevor die Kommissarin diese Spur konsequent verfolgen kann, greift die Politik ein. Staatsanwältin Evelyn Michels (Eva Bay) stoppt die Mordermittlungen abrupt, sobald eine Verbindung zwischen dem Industriellen Konstantin von Murrer (Philipp Moog) und Schäfers Schwester Maria ans Licht kommt. Offiziell ist der Fall Schäfer damit erledigt, doch für Vera Lanz fängt die Arbeit jetzt erst richtig an.
Ein Team im Schatten der Verschwörung
Getrieben von ihrem unbestechlichen Instinkt pfeift die Chefin auf die Anweisungen von oben und lässt ihr Team, bestehend aus Paul Böhmer (Jürgen Tonkel) und Korbinian Kirchner (Jonathan Hutter), heimlich weiterarbeiten. Es geht längst nicht mehr nur um das Schicksal des kleinen Alexander, sondern um ein Geflecht aus Abhängigkeiten und dunklen Geheimnissen einer einflussreichen Industriellenfamilie. Während Vanessa von Murrer (Kya-Celina Barucki) und der Rest des Clans die Schotten dicht machen, graben sich die Ermittler tiefer in eine Welt, in der Geld und Macht offenbar schwerer wiegen als ein Menschenleben. Vera Lanz ahnt, dass hier eine Verschwörung im Gange ist, die bis in die höchsten Kreise der Justiz reicht.
Zwischen moralischem Anspruch und glatter Routine
Trotz der packenden Ausgangslage kämpft die Episode gelegentlich mit ihrer eigenen Umsetzung. Der moralische Kern der Geschichte ist stark und bietet viel Zündstoff, doch die eigentliche Entführungsebene wirkt an manchen Stellen etwas zu routiniert inszeniert. Das versprochene düstere Verschwörungsszenario wird zwar behauptet, aber in der Dramaturgie nicht immer mit der notwendigen Präzision zu Ende geführt. Dass die Folge dennoch fesselt, liegt vor allem an der gewohnt souveränen Darstellung von Katharina Böhm, die ihre Rolle mit einer Mischung aus Härte und Empathie ausfüllt. Am Ende bleibt ein unterhaltsamer Krimi, der zwar hinter seinem vollen erzählerischen Potenzial zurückbleibt, aber dennoch einen spannenden Start in die neue Saison garantiert. Der Freitagskrimi "Blutschuld" aus der Reihe "Die Chefin" ist auch über die ZDF Mediathek abrufbar.








