Bau-Wahnsinn und eine skelettierte Frauenleiche: Stuttgart-Tatort "Das ist unser Haus" heute (13.01.2026) im WDR

© WDR/SWR/Benoit Linder
Das Abendprogramm im WDR bietet heute (13.01.2026) um 20:15 Uhr eine Bühne für ein menschliches Schlachtfeld, das sich hinter einer Fassade aus ökologischem Gewissen und nachbarschaftlicher Liebe verbirgt. Im Stuttgart-Tatort "Das ist unser Haus" geht es nur vordergründig um den Fund einer skelettierten Leiche in einer Baugrube, während das eigentliche Drama in den Sitzungsräumen einer Baugemeinschaft namens "Oase Ostfildern" stattfindet. Regisseur Dietrich Brüggemann, der das Drehbuch gemeinsam mit seiner Schwester Anna Brüggemann verfasste, seziert hier ein Milieu, das er aus eigener schmerzhafter Erfahrung kennt. Es ist eine Welt, in der das richtige Mülltrennungssystem wichtiger ist als das Schicksal eines Mitmenschen und in der die basisdemokratische Abstimmung zum Instrument der sozialen Hinrichtung wird.
Wenn die Idylle zum Gefängnis mutiert
Schon vier Wochen nach dem Erstbezug offenbart das ambitionierte Wohnprojekt seine ersten physischen und moralischen Risse, als ein Abdichtungsproblem das Aufbaggern des Fundaments erzwingt. Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) stehen plötzlich vor den Überresten einer Frau, deren Knochen durch schwere Osteoporose gezeichnet sind. Die Ermittlungen führen die Beamten tief in das Dickicht aus Vorwürfen und Verdächtigungen innerhalb der Hausgemeinschaft, die sich selbst als moralischer Vorreiter sieht. Zunächst gerät die verschwundene Beverly (Sarah Bauerett) in den Fokus, die einst per Veto aus der Gruppe gemobbt wurde, doch die Wahrheit liegt wie so oft hinter einer ganz anderen, unscheinbaren Tür in der Nachbarschaft. Während die Kommissare mühsam die Identität der Toten als Elena Freilert klären, zerfleischen sich die Bewohner im Hintergrund gegenseitig, was die Ermittler eher zu soziologischen Beobachtern als zu klassischen Kriminalisten macht.
Ein Ensemblespiel der menschlichen Abgründe
Die Besetzung dieses Stuttgart-Tatort ist ein wahrer Glücksgriff, da sie die schmale Gratwanderung zwischen Karikatur und schmerzhaftem Realismus perfekt meistert. Besonders hervorzuheben ist der Auftritt des Musikers Heinz Rudolf Kunze (Heinz Rudolf Kunze) als Stefan Heuer, der als abgewiesener Wohnungsbewerber wie ein Fremdkörper in diesem künstlichen Biotop wirkt und die Paranoia der Bewohner befeuert. Inmitten von Dinkelkuchen und Plenumsprotokollen entlarvt der Film Figuren wie das Paar Martina und Karsten (Michael Kranz), die unter dem Druck der Gemeinschaft schlichtweg zerbrechen. Der eigentliche Täter, der alternativmedizinisch tätige Wendelin (Eike Jon Ahrens), ist am Ende kein klassisches kriminelles Genie, sondern ein jämmerliches Produkt seiner eigenen Angst vor dem sozialen Abstieg und der moralischen Verurteilung durch seine Nachbarn.
Bittere Analyse statt klassischer Spannung
Man muss diesen Film als das sehen, was er ist: Eine groß angelegte Abrechnung mit einer Schicht, die ihre Intoleranz hinter einem Schutzschild aus Achtsamkeit versteckt. Dietrich Brüggemann gelingt es meisterhaft, den Kriminalfall fast vollständig zur Nebensache zu erklären und stattdessen die grotesken Rituale der Baugemeinschaft in den Fokus zu rücken. Der Humor dieses Stuttgart-Tatort ist dabei nie plump, sondern entsteht aus der präzisen Beobachtung von Sprache und Verhalten, die oft bis zur Unerträglichkeit überzeichnet werden. Dass der Mord am Ende durch einen simplen Unfall in einer Heilpraktiker-Praxis und die anschließende panische Entsorgung im Beton erklärt wird, unterstreicht nur die Banalität des Bösen in dieser vermeintlich perfekten Welt. Es bleibt ein unangenehmes Gefühl zurück, wenn man sieht, wie schnell die Ideale über Bord geworfen werden, sobald das eigene Image auf dem Spiel steht.








