Dresden-Tatort "Nachtschatten" bittet zum nächtlichen Horrortrip - heute (01.01.2026) in der ARD

© MDR/MadeFor/Steffen Junghans
Ein verstörendes Bild markiert den Beginn eines Tatort-Abends, der so gar nicht zum beschaulichen Start ins neue Jahr passen will. Mitten in der Dresdner Nacht irrt die 16-jährige Amanda (Emilie Neumeister) verwirrt und blutverschmiert durch die Innenstadt, ein Skalpell fest in der Hand umklammert. Diese Schockszene bildet den Auftakt zum neuesten Dresden-Tatort "Nachtschatten", der heute (01.01.2026) um 20:15 Uhr in der ARD ausgestrahlt wird. Was folgt, ist kein klassischer Ermittlungskrimi, sondern ein hochgradig intensiver Psychothriller, der die Grenzen zwischen Realität und Wahnvorstellung meisterhaft verschwimmen lässt und das Publikum auf eine emotionale Achterbahnfahrt mitnimmt. Nach Ausstrahlung ist der neue Dresden-Tatort "Nachtschatten" auch über die ARD Mediathek abrufbar.
Gefangen im Labyrinth der Erinnerungen
In den Vernehmungsräumen offenbart sich den Ermittlern eine Geschichte, die an Grausamkeit kaum zu überbieten ist. Amanda fleht Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) um Hilfe an und berichtet von einer Kindheit in einem dunklen Kellerverlies, in dem ihr Vater sie gefangen hielt und bei Ungehorsam hungern ließ. Besonders dramatisch ist ihre Behauptung, dass ihre Schwester noch immer in diesem Versteck ausharrt, ohne jede Versorgung. Während Kommissariatsleiter Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) und die Psychologin der Jugendanstalt massive Zweifel an der Glaubwürdigkeit der verstörten jungen Frau äußern, lässt sich Winkler von ihrer Intuition leiten. Sie glaubt dem Mädchen, selbst als dieses sie in einem Anfall von Gewalt angreift, und beginnt eine verzweifelte Suche nach dem Tatort, den Amanda selbst kaum beschreiben kann.
Eine Schnitzeljagd durch das Unterbewusstsein
Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen entwickelt sich für das Team, zu dem auch Philipp Laupheimer (Yassin Trabelsi) gehört, zu einer mühsamen Rekonstruktion von Sinneswahrnehmungen. Gerüche, Geräusche und vage Erinnerungsfetzen führen die Beamten schließlich in ein anonymes Neubaugebiet. Die Situation spitzt sich dramatisch zu, als ein DNA-Abgleich zwar Amandas Vater (Timur Isik) ausfindig macht, dieser jedoch jede Verbindung zu dem Mädchen bestreitet. Als Schnabel in unmittelbarer Nähe eine erstochene Ärztin findet, wendet sich das Blatt radikal: Plötzlich ist das vermeintliche Entführungsopfer die Hauptverdächtige in einem Mordfall. Die Jagd nach der Wahrheit führt tief in einen Sumpf aus familiären Abgründen, bei dem auch eine mysteriöse Hausmeisterin (Nina Kunzendorf) eine entscheidende Rolle zu spielen scheint.
Atmosphäre statt klassischer Ermittlung
Regie und Drehbuch setzen bei diesem Dresden-Tatort konsequent auf einen unruhigen, fast schon rauschhaften Inszenierungsstil. "Nachtschatten" nutzt gezielt Horror-Elemente und klaustrophobische Kellermotive, um eine dichte Stimmung der Angst zu erzeugen. Zwar tritt die präzise Polizeiarbeit zugunsten der starken visuellen Eindrücke und der subjektiven Wahrnehmung gelegentlich in den Hintergrund, doch gerade diese Entscheidung macht die Folge zu einem herausragenden Erlebnis. Die starken Darstellerinnen und die eindrucksvolle Nachtoptik der Elbestadt sorgen dafür, dass dieser Fall noch lange nach dem Abspann im Gedächtnis bleibt und als mutiges Stück Fernsehkunst den Krimi-Jahresauftakt prägt.








