Schwarzwald-Tatort "Das jüngste Geißlein": Wenn Märchen zum Albtraum werden - heute (04.01.2026) in der ARD

© SWR/Benoît Linder
Grauenhaft verzerrte Kinderstimmen und das Ticken einer alten Standuhr eröffnen heute Abend (04.01.2026) um 20:15 Uhr in der ARD einen Schwarzwald-Tatort, die man so schnell nicht vergessen wird. Mit "Das jüngste Geißlein" verlassen die Ermittler Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) die Pfade des klassischen Krimis und tauchen tief ein in eine Welt aus Nebel, Blut und uralten Ängsten. Der Schwarzwald dient hier nicht als Postkartenidyll, sondern als düstere Kulisse für ein Kammerspiel, das die Grenzen zwischen Realität und Albtraum bewusst verschwimmen lässt. Wer auf ein klassisches Ermittlungsrätsel hofft, wird hier eines Besseren belehrt, denn dieser Film setzt voll und ganz auf Atmosphäre und das Grauen, das sich hinter verschlossenen Türen abspielt. Nach Ausstrahlung wird der neue Schwarzwald-Tatort "Das jüngste Geißlein" auch über die ARD Mediathek abrufbar sein.
Ein Einstieg jenseits der Dienstvorschrift
Eigentlich ist Friedemann Berg gar nicht im Dienst, da er noch immer mit den Nachwirkungen der letzten dramatischen Ereignisse und einer internen Ermittlung kämpft. Doch der Zufall - oder das Schicksal - führt ihn durch den Hinweis einer Nachbarin zu einem einsamen Haus am Waldrand, wo er ein Bild des Schreckens vorfindet. Inmitten von Blutspuren kauert das Mädchen Eliza (Hanna Heckt) verängstigt im Kasten einer Standuhr. Es ist ein bewusst gewähltes, schauriges Motiv, das direkt auf das Grimm-Märchen vom Wolf und den sieben Geißlein anspielt. Das Kind spricht nicht und scheint in einer eigenen, traumatisierten Welt gefangen zu sein, was die Ermittlungen von Beginn an massiv erschwert.
Die Macht der stummen Zeugen
Franziska Tobler sieht sich einer schier unlösbaren Aufgabe gegenüber, als die Leiche des Vaters, Jakob Wolburg (Stefan Wilkening), mit Steinen beschwert in einem Waldsee entdeckt wird. Während die Kommissarin auf Fakten und Aussagen angewiesen ist, verweigert Eliza aufgrund ihres selektiven Mutismus jedes Wort. Die Psychologin Dr. Evelyn Kaltenstein (Mina Tander) versucht das Kind abzuschirmen, was die polizeiliche Arbeit fast zum Erliegen bringt. Nur Friedemann Berg findet durch seine eigene, verletzliche Art einen Zugang zu dem Mädchen, das sich die schrecklichen Vorkommnisse mit Hilfe seines Lieblingsmärchens auf einem Walkman erklärt. Es ist ein Spiel mit Symbolen, das den Zuschauer frösteln lässt, während die Mutter des Kindes spurlos verschwunden bleibt.
Horror im Tannendickicht
Visuell zieht der neue Schwarzwald-Tatort "Das jüngste Geißlein" alle Register des Schauergenres: Knarzende Dielen, dichter Nebel und einsame Gehöfte erzeugen eine klaustrophobische Spannung, die weit über das übliche Maß hinausgeht. Die Regie nutzt die verschneite Schwarzwaldlandschaft als bedrohlichen Raum, in dem hinter jedem Baum der Wolf lauern könnte. Auch die Nebenbesetzung, etwa Amal Keller als Nuri Basak oder Viorica Prepelita als Valea Baciu, fügt sich nahtlos in dieses beklemmende Ensemble ein. "Das jüngste Geißlein" funktioniert am Ende weniger als logischer Kriminalfall, sondern als psychologisch aufgeladenes Stimmungsstück, das zeigt, wie tief die Wunden der Vergangenheit sitzen können. Es ist ein mutiges Experiment, das den Sonntagabend in ein düsteres Psychomärchen verwandelt und lange nachwirkt.








